Full text : Die Chronik des Garnisonstädtchens

480 Dir Chrvnik des Garnisonltädkchens

Mein Gott, bist du auch hier, liebe Lise! fragte
Jochumsen, der plötzlich aus der Menge auftauchte,
und seine Stimme klang so sanft und mild, wie
sie sie nie zuvor gehört hatte. Ja, das ist das
erstemal, daß du Soldaten in den Krieg ziehn siehst,
mein Kind. Ich habe andre dreimal ausziehn sehen,
und habe jedesmal selber zu Hause bleiben müssen,
so wie jetzt — es ist zu ärgerlich, wenn man so
kurzsichtig ist.
Und Jochumsen putzte die Nase und klopfte
Lise ermunternd auf die Schulter.

Es war eine wunderlich schwere, bedrückende
Zeit, die dem Ausbruch des Krieges voranging,
doppelt schwer und drückend für die, die daheim
saßen, deren Gedanken aber alle in Schleswig
weilten.

Jochumsen konnte natürlich nicht müßig gehn,
und es war eine große Aufmunterung seiner Laune,
als es ihm gelang, eine Sammlung von Tabak,
Spirituosen, Käse und dergleichen für das Regi—
ment zu organisieren; zwischen Weihnachten und
Neujahr ging ein ganzer Frachtwagen unter Isaaks
Kommando ab, und der Kammerherr sandte mit
derselben Gelegenheit vier Flaschen seines zweit⸗
besten Madeira an den Leutnant.
Der Leutnant schrieb übrigens regelmäßig, ab⸗
wechselnd an den Kammerherrn und Jochumsen, und
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.