302 Die Chronik des Garnisonstädtchens
Jochumsen mit lautem Gähnen. Bei so einem
Hundewetter! — Gute Nacht, Herr Graf!
Gute Nacht, Herr Oberlehrer!
Einen Augenblick später hörte der Graf Jochumsen
schnarchen, sobald aber der Graf dem guten Bei—
spiel gefolgt war, hielt Jochumsen inne, und es
kam die ganze Nacht lang kein Schlaf in seine
Augen. — Wie langsam doch die Zeit verstrich!
Zuerst lag Jochumsen da und rechnete und rechnete:
wann Isaak wohl am Bach sein könnte, und
wann er in Futtrup anlangen könnte, und wann
der Leutnant mit seinen Dragonern hier sein könnte;
schließlich aber war es ihm unmöglich, Kontrolle
über die Zeit zu halten. Seiner Ansicht nach waren
viele, viele Stunden verstrichen, und ein Streichholz
anzuzünden und nach der Uhr zu sehen wagte er
nicht. Aus dem Nebenzimmer vernahm er das
tiefe, taktfeste Atmen der beiden Unteroffiziere; von
Zeit zu Zeit drehte der eine von ihnen sich im
Bett um, und dann zuckte Jochumsen unwillkürlich
zusammen. Dort auf dem Tisch lagen die beiden
geladnen Pistolen; Jochumsen bildete sich ein, er
könnte sie sehen. Wenn nun der Graf erwachte
— und er sagte ja selber, daß er bei dem leisesten
Geräusch erwache —, nahm er natürlich eine in
jede Hand, und dann — aber was war das! Er—
scholl dort nicht Pferdegetrappel von der Plantagen⸗
seite her“ — Nein, es war nichts! — Aber diese
abscheulichen Pistolen! — Pistolen waren im Grunde