Die Chronik des Garnisonstaãdkchens
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gut gelang, die Knaben für das zu interessieren,
was er erzählte, und ehe er sichs versah, schellte
es: die erste Stunde war vorbei.
Im Lehrerzimmer begrüßte Möller die seiner
Kollegen, die er schon kennen gelernt hatte, und
wurde ein paar andern vorgestellt. In der dunkelsten
Ecke saß der Zeichenlehrer, Herr Engel, und wischte
Bleifederstaub von seinen Fingern. Er war eine
Art verkannten Genies, lebte in bedrängten Ver—
hältnissen und sah immer aus, als bitte er die
Welt um Entschuldigung wegen seiner Existenz.
Niemand konnte sich entsinnen, jemals seine Stimme
im Lehrerzimmer vernommen zu haben, außer ein⸗
mal, wo ihn der Rektor versehentlich auf den Fuß
getreten hatte, denn da war Herr Engel sofort auf⸗
gesprungen und hatte: Verzeihen Sie! gesagt.
Der Mathematiker, Herr Lose, war ein großer,
kräftiger Mann mit dunkelm Vollbart, weiten Bein—
kleidern und kurzer Jacke, in deren Taschen er seine
großen Hände zu begraben pflegte, die hart schlugen,
wenn er schlug — die Knaben nannten ihn des⸗
wegen auch Herr Lauge mit der schweren Hand.
Er hatte infolge seines Amtes regelmäßig Kreide⸗
staub an den Ärmeln, ging mit niedergeklapptem
Hemdkragen, das weiche, schwarze Halstuch zu einer
flotten Schleife mit langen Enden verschlungen, so⸗
daß er aussah wie ein deutscher Bursche, was ihn
indes nicht verhinderte, eifriger Nationalliberaler zu
sein. Dieses politische Glaubensbekenntnis hrachte