514 Die Chronik des Garnisonstädtchens
Soldaten, daß er nicht herankommen konnte. Arger⸗
lich kehrte er nach Hause zurück, setzte die Angel—
stange beiseite, nahm statt dessen seinen Stock und
machte in seiner Verzweiflung einen Spaziergang —
wohin, wußte er selbst nicht.
Vor der feindlichen Hauptwache stieß er ganz
zufällig den Stock hart auf das Pflaster, und es
wollte ihm scheinen, als klinge es eigentümlich hohl.
Warum sollte der Geheimgang nicht hier drunter
sein, dachte er. Die alte Propstei ist in alten Zeiten
ein katholisches Heiligengeisthaus gewesen, und gleich
dahinter liegt die Bettelmönchstraße — natürlich
ist dies der Geheimgang! Und Jochumsen wurde
so eifrig, daß er mehrmals den Stock auf das
Pflaster stieß und aufmerksam lauschte.
Da war jedoch einer, der Jochumsens Evolu—
tionen mit Interesse verfolgte, nämlich der wacht⸗
habende Leutnant, der in den Fenstern der alten
Propstei lag und sich gottserbärmlich langweilte.
Er wurde sogleich argwöhnisch — das wird man
so leicht, wenn man sich langweilt — und träumte
von heimlich verabredeten Zeichen mit Gott weiß
wem, weshalb er auch sofort einen Unteroffizier
herbeirief und diesem Befehl gab, ohne sich etwas
merken zu lassen, dem verdächtigen Eingebornen zu
folgen und genau acht zu geben, was er weiter
vornehme.
Jochumsen schlug den Weg nach dem leeren
Hafen zu ein, wechselte einige Worte mit dem un—