Full text: Die Chronik des Garnisonstädtchens

330 Die Chronik des Garnisonstädkchens 
schwörung zu, und als es verlautete, daß auch Lise 
vorgeladen worden sei, ja, da war man bereit, alles 
Grübeln aufzugeben, bis ein heller Kopf auf den 
Gedanken kam, daß sie natürlich Abschied von ihrem 
Paten genommen hätte, ehe dieser nach Spandau 
oder Olmütz oder sonst wohin abgeführt wurde. 
Herr Gott ja! sagte Schuster Andersen zu seiner 
bessern Hälfte. Den Oberlehrer sehen wir jetzt nie 
wieder! Er hatte seine Fehler wie die meisten 
Menschen, und es war keine Kleinigkeit, ihm Schaft⸗ 
stiefel zu Dank zu machen, aber ein Prachtmensch 
war er darum doch! — Nun, das ist so der Lauf 
des Krieges, und er hätte ja seine Finger von dem 
lassen können, was ihn nichts anging! Schlimmer 
wäre es ja noch für ihn gewesen, wenn er ein 
gewerbetreibender Bürger und Familienvater wäre, 
aber trotzdem — es ist immerhin ein fester Kunde 
weniger. 
Während diese Leichenrede über ihn gehalten 
wurde, saß Jochumsen ganz ruhig daheim in seiner 
Stube und trank Tee mit Isaak. Ich muß 
Ihnen nochmals mein Kompliment machen, sagte 
Jochumsen. Sie haben sich brillant aus der Affaire 
gezogen! Sie logen und Sie leugneten, daß es 
nur so eine Art hatte, und Sie sahen abwechselnd 
unschuldig und unglücklich aus, akkurat als seien Sie 
ein alter Praktikus, der schon mehrmals aus dem 
Loch ausgebrochen ist! — Von dieser Furt haben 
wir wirklich Freude gehabt, Isaak! — Sie haben
	        
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