Full text: Die Chronik des Garnisonstädtchens

Einunddreißigstes Rapitell538 
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doch! fügte Jochumsen ermunternd hinzu. Aber ohne 
diese Bemerkung zu beachten, fuhr Lise fort: 
Du mußt doch verstehn können, Onkel Jochumsen, 
daß ich einen Brief, der nur unter gewissen Um⸗ 
ständen für mich bestimmt war, weder behalten kann 
noch will, da diese Umstände — gottlob — nicht 
eingetreten sind. Leutnant Paulsen wird ja, wenn 
er, mit Gottes Hilfe, einmal heimkehrt, diesen Brief 
von dir zurückfordern, nicht wahr? 
Ja, wahrscheinlich, aber dann sage ich natürlich, 
daß du — 
Ja, das wäre sehr nett, entgegnete Lise mit 
glühenden Wangen. Er würde dann ja geradezu 
gezwungen sein — o, pfui! 
Pah! Gezwungen! Er schreibt ja selber, daß — 
Ja, aber was er in der Stimmung eines stark 
bewegten Augenblicks geschrieben, das kann er hundert⸗ 
mal bereut haben. Nein, ein Zweifel ist hier gar 
nicht möglich, du mußt ihm den Brief wiedergeben! 
Jochumsen, der am Vormittag der Ansicht ge— 
wesen war, daß das Ganze eine so ungewöhnlich 
zgünstige Wendung genommen habe, war ganz nieder⸗ 
geschlagen; jetzt war alles klipp und klar, und da 
wurde sie eigensinnigh Plötzlich jedoch kam ihm 
ein Einfall, beinahe triumphierend rief er aus: Was 
nützt es, daß ich ihm den Brief wiedergebe. Er 
tann ja sehen, daß er geöffnet worden ist. 
An die Möglichkeit dieser Einwendung hatte 
Lise offenbar nicht gedacht, sie war im ersten Augen⸗
	        
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