Full text : Die Chronik des Garnisonstädtchens

aweiunddrritigstes kapitelt8547

Nein, das darfst du nicht, Onkel Jochumsen,
fiel ihm Lise in die Rede. Aber willst du, sobald
du zur Stadt kommst, mir den Brief geben, du
weißt ja — jetzt will ich ihn gern haben!
Soll ich sagen, daß ich —
Nein, das ist nicht nötig: ich habe alles er⸗
zählt.
Aber obwohl Lise Jochumsen verboten hatte zu
fragen, hielt er dieses Verbot nicht lange inne, und
spaterhin am Abend, als das glückliche Brautpaar,
der Pfarrer, seine Frau, Mine und Friederike alle
um den runden Tisch im Wohnzimmer saßen, platzte
Jochumsen plötzlich mit einem: Jetzt möchte ich aber
doch gern genauen Bescheid haben, Leutnant, was
Lise auch sagen mag, heraus! Weshalb guckten und
quckten Sie sie denn so lange an und taten nichts
dabei? Und weshalb fiel es Ihnen gerade in der
Nacht ein, den Brief zu schreiben?
Der Leutnant errötete ein wenig, und es währte
eine ganze Weile, bis er antwortete: Ich weiß es
selbst kaum, und jetzt verstehe ich es gar nicht.
Ich wollte, und ich wollte nicht! Hundertmal habe
sich Mut gefaßt, aber dann kamen allemal die Be—
denken: ich hatte mehr als einmal den Fuß im Steig⸗
bügel, aber ich saß doch nicht auf! Dann, in jener
Nacht, als ich so unendlich glücklich war, da konnte
ichs nicht lassen zu schreiben — ich meinte, ich müßte
Lise doch einen Gruß senden für den Fall, daß ich
nicht heimkehrte!
            
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