Full text : Die Chronik des Garnisonstädtchens

556 Die Chronik des Garnisonstadkchens

Gütern — das ist meine Überzeugung; sie sind
nur verschiedner Art. So zum Beispiel dein
Schwiegersohn — der hat den Danebrogsorden und
Lise bekommen, aber er fühlt sich eigentlich des
einen wie des andern unwürdig. Möller dagegen
hat weder einen Orden noch Lise bekommen, aber
sein Gewissen sagt ihm, daß er eigentlich beides
weit eher verdient hätte als der, und du kannst
Gift drauf nehmen, das Gefühl würde er für nichts
in dieser Welt hergeben! — Er ist auf seine Art
genau so glücklich wie der Leutnant, davon bin ich
fest überzeugt.
Ja, ich bin eigentlich nie so recht klug aus
Möller geworden, bemerkte der Rektor.
Das kommt daher, daß du kein Psycholog bist,
entgegnete Jochumsen resolut. Du kennst nur die
unzusammengesetzten Charaktere — wie du selber
einer bist, und Knudsen und Adjunkt Lind, dieser
welsche Hampelmann! Aber so einem zusammen⸗
gesetzten Charakter wie Möller gegenüber mußt du
dich gleich Renonce erklären. Ich dagegen, der ich
selber eine Mischnatur und im Grunde ein ungeheuer
zusammengesetzter Charakter bin — ich habe Möller
sofort als den aufgefaßt, der er ist!
Ja, was ist er denn eigentlich? wandte der
Rektor ein.

Was er ist? Das ist eine sonderbare Frage!
Meinst du, daß das so einfach zu sagen sei? Nur
in Büchern laufen die Leute mit ihren geistigen
            
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