560 Die Chronik des Garnisonstädkchens
— ———
über, auch verpflichtet, sie zu tragen: die Jugend
muß zu Loyalität und zu Respekt vor der Autorität
erzogen werden. Und so gewissenhaft erfüllte Jochum—
sen seine pädagogische Pflicht, daß er von nun an
stets ein Band im Knopfloch trug; selbst an dem
grauen Rock war eins angebracht; wenn aber der
Postmeister behauptete, daß er sich auch eine Deko—
ration ans Nachthemd genäht habe, so war das selbst—
verständlich nur ein Ausfluß alter Animosität und
brandgelben Neides. —
Ein paar Tage später — es war im März —
saßen der Ritter Jochumsen und der Danebrogsmann
Isaak zusammen bei ihrem Nachmittagstee. Na, Sie
alter dekorierter Rabbiner, sagte Jochumsen freund—
lich, jetzt muß ja die Schildwache vor Ihnen prä—
sentieren!
Nein, Herr Oberlehrer, mit Ihrer Erlaubnis —
das muß die Schildwache nicht.
Natürlich muß sie das — das heißt, wenn Sie
das Kreuz umhaben!
Ja, Herr Oberlehrer, das weiß ich. Aber ich
habe das Kreuz nicht um.
Nein, augenblicklich nicht, aber —
Ja, aber ich kann es nicht tragen, Herr Ober⸗
lehrer!
Unsinn! Jetzt sind Sie zu bescheiden. Haben
Sie vielleicht das Kreuz nicht ebensogut verdient
wie dieser Trompeter Rubek? Ja, wenn es sich