566 Die Chronik des Garnisonstädkchens
Ja, gehn Sie nur zum Kammerherrn, erwiderte
Jochumsen eigentümlich geistesabwesend. Es ist mög⸗
lich, daß ich Ihnen nachkomme!
Damit legte Jochumsen die Etikette in sein
Taschenbuch, und der Leutnant ging spornstreichs
zum Kammerherrn.
Jochumsen war kaum eine halbe Stunde zu
Hause gewesen, als auch er sich zum Kammerherrn
begab. Bei seinem Eintreten fand er den Alten
und den Leutnant mit Glas und Flasche vor sich
sitzen.
Lieber Herr Oberlehrer, Sie kommen wie ge⸗
rufen, sagte der Kammerherr.
Ja, Gott weiß, erwiderte Jochumsen zurück⸗
haltend. Aber ohne den Tonfall zu beachten, fuhr
der Kammerherr fort:
Sie müssen sich setzen und ein Glas mit uns
trinken! — Ach, holen Sie, bitte, noch ein Glas,
Leutnant Paulsen — eins von den alten venetia—
nischen — danke! — Nun, was glauben Sie wohl,
was Sie trinken, lieber Herr Oberlehrer?
Das weiß ich wirklich nicht, erwiderte Jochumsen;
ich habe keine so feine Zunge, daß ich das ent—
scheiden könnte.
Ja, ist es nicht wirklich, als ob die Vergangen—
heit aus dem Grabe erstünde? fragte der Kammer—
herr und betrachtete sein Glas ganz feierlich.
Dies ist die letzte Flasche meines Madeira von