Full text: Die Chronik des Garnisonstädtchens

Zweiunddreifigstes Rapitel 567 
zweiunddreistigtes ap — * 
Anno 38, die wir hier trinken, genießen Sie sie 
mit Andacht, lieber Herr Oberlehrer! 
In ganz Europien, ihr Herren Zecher, 
Ist solch ein Wein nicht mehr! 
Ja, Sie sehen, ich mache Ihnen Konkurrenz 
und zitiere deutsche Verse! 
Sind Herr Kammerherr denn auch ganz sicher? 
fragte Jochumsen. Wirklich ganz sicher, daß — 
Glauben Sie, ich könnte mich in dem irren? 
entgegnete der Kammerherr mit sanftem Vorwurf. 
Nein, was den Wein anbetrifft, kann man sich über⸗ 
haupt nicht irren! Der selige Propst Jerrild, der 
ja ein großer Kenner gewesen sein soll, muß seiner⸗ 
zeit ein Quantum von dem Madeira bekommen 
haben, und er hat gottlob so gut Haus damit 
gehalten, daß er diese Flasche übrig gelassen hat. — 
Gott sei Dank, daß sie nicht in die Hande von 
Raäubern gefallen, sondern an Leute gekommen ist, 
die es verstehn, sie zu goutieren! — Ist der Wein 
aicht ganz scharmant? 
Ja, er schmeckt sehr angenehm, räumte Jochumsen 
ein, aber sind der Herr Kammerherr auch wirklich 
zanz sicher — 
So sicher, wie daß ich hier auf meinem Stuhl 
sitze! Außerdem kann man auch noch deutlich den 
Abdruck meines Siegelrings im Lack sehen — bitte, 
überzeugen Sie sich selber davon! Wäre die Eti⸗ 
kette nicht abgegangen, so hätten Sie auch meine 
eigne Schrift darauf sehen können.
	        
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