54 Pie Chronik des Garnisonstädkchens
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krutenschule, erhielten eine Nummer und Uniformen
und schafften mit einem Seufzer das Zivilzeug bei—
seite. Den nächsten Tag um sechs Uhr fing der
Stalldienst an, und zur rechten Zeit fand sich der
Leutnant in der Kaserne ein.
Diese, die in einer schmalen, entlegnen Straße
lag, sah von außen weder ansehnlich noch sonderlich
militärisch aus; es war ein altes Fachwerkgebäude,
und hinter den kleinen Fensterscheiben sah man ge—
blümte Gardinen, Blumentöpfe und Vogelbauer —
hier wohnten nämlich die verheirateten Unteroffiziere.
Sobald sich aber die schwere, doppelte Tür öffnete
wurde der Eindruck gleich ganz militärisch, denn dann
fiel das Auge auf die hellblaue Torwache, und wenn
man den Blick tiefer in den langen Hof hinein—
schweifen ließ, so erhaschte man einen Schimmer
von den großen Kastanienbäumen, unter denen die
Pumpe und die Tränktröge standen. Links lag das
lange niedrige Stallgebäude, rechts ein zweistöckiger
Seitenflügel, dessen Erdgeschoß von dem Fechtsaal,
der Wärmstube und der Marketenderei eingenommen
wurde, während sich die Mannschaftsstuben oben be—
fanden: die vierte Seite des Hofes schloß ein Bretter⸗
zaun mit spitzen Zinken ab, und durch eine Pforte
gelangte man von hier auf den Reitplatz hinaus,
der ganz bis an die See hinabging. Hier lag auch
die düstre Reitbahn, deren geteerte Bretterwände
ihr das Aussehen eines gewöhnlichen Speichers
verliehen.