Full text: Die Chronik des Garnisonstädtchens

56 Die Chronik des Garnisonstãdkchens 
Nebenmann, ein riesenstarker jütischer Schmied, der 
nach seinem Heimatsdorf Veilby hieß, hatte die 
berüchtigte Nummer vierzehn bekommen, aber das 
war ihm einerlei: Ich denke, ich werd ihn schon 
kriegen! sagte er mit verschlagnem Lächeln. Ich hab 
schon welche gesehen, die schlimmer waren. Und 
es zeigte sich, daß das keine Prahlerei war, denn 
Veilby kam ausgezeichnet mit Nummer vierzehn aus 
und pflegte später zu sagen: Er hat einen guten 
Verstand, denn er kann merken, daß ich ihm über 
bin! Der Leutnant ließ sichs sauer werden mit 
Strohwisch, Striegel und Kartätsche; anfangs wollte 
es nicht so recht gehn, und Klaus sah, wie es 
seinem Herrn vorkam, ihn wie mißbilligend an; aber 
dann ging ihm der Schmied nach einem: Nichts 
für ungut, Herr Leutnant! freundlich zur Hand, 
und das half. 
In der ersten Zeit verstrichen die Tage ziemlich 
einförmig. Nach dem Stalldienst kam der Appell 
— populär die Lumpenparade genannt —, und 
dann wechselte den ganzen Tag Theorie und Praxis 
ab, bis am Abend gefüttert wurde. Dann ging der 
Leutnant nach Hause, nahm regelmäßig eine Zeitung 
in die Hand und fing ebenso regelmäßig an zu 
gähnen, nachdem er eine oder zwei Spalten gelesen 
hatte, worauf er zu Bett ging und den Schlaf des 
Gerechten schlief. Träumte er, so war es in der 
Regel von Klaus oder von einem der Unteroffiziere, 
und obgleich er niemals die Weiße Dame gehört 
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