Volltext: Die Chronik des Garnisonstädtchens

82 Die Chronik des Garnisonstädkchens 
der Einsender meinte aber, es liege viel mehr Grund 
vor, ihn „Randrupweg“ nach dem verstorbnen Post— 
meister zu nennen, teils weil dieser Name besser 
klinge als das vulgäre „Rasmussen,“ teils weil der 
Postmeister sich große Verdienste um die Verschöne— 
rung der Stadt erworben habe. 
Was sagen Sie dazu? fragte Jochumsen. 
Ach, ich weiß nicht recht — ich finde, es ist 
ganz gleichgiltig, wie der Weg heißt. 
Gleichgiltigl wiederholte Jochumsen empört. Es 
gibt überhaupt nichts in der Welt, was gleichgiltig 
wäre! Finden Sie denn nicht wenigstens, daß dieser 
Artikel Haare auf den Zähnen hat? 
Ja, scharf genug ist er! 
Können Sie schweigen? 
Ja, das kann ich. 
Er ist von mir! 
Von Ihnen? Schreiben Sie denn in die Amts— 
zeitung? 
Ja, hin und wieder, über wichtigere kommunale 
Angelegenheiten — nie über Politik. Ich hab nun 
übrigens auch noch einen besondern Hintergedanken 
bei meinem Vorschlag: der Postmeister wird sich 
darüber ärgern! 
Der ist ja aber tot! 
Ja, der frühere! Aber der jetzige lebt doch, 
weiß Gott, und es wird ihn ärgern, die Verdienste 
seines Vorgängers hervorgehoben zu sehen. Ich hab 
noch ein Hühnchen mit ihm zu pflücken.
	        
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