boten. Es scheinen dies Theile zu sein, in welchen die Hyperplasie eine im Verhältnisse
zu den übrigen schneller vor sich gehende ist. Im Uebrigen bot sie nichts
von den bei Leukaemie gewöhnlichen Milztumoren Abweichendes. Ebenso stellten
sich die Lymphdrüsen im Zustande bedeutender reiner Hyperplasie dar.
Das Knochenmark
in der Diaphyse des linken Humerus, das der Rippen und eines Theiles des Beckens
hatte eine gelbe Farbe, war sehr weich und fast zerfliessend wie Eiter. Der von
Neumann beschriebene Farbenwechsel, wobei nach kurzer Zeit die ursprünglich gelbe
Farbe in ein blasses Roth übergeht, trat in dem vorliegenden Falle nicht ein. In
demselben zeigten sich dieselben Elemente, mit Ausnahme der pigmentirten Zellen,
wie im Blute. Wahrscheinlich war auch hier der Eeukämische Process über das
ganze Skelett verbreitet, ohne dass er während des Lebens durch irgend welche
Symptone sich verrathen hätte. Bei den bisher beobachteten Fällen ist das Knochenmark
noch zu selten berücksichtigt worden, als dass sich genau feststellen Hesse, wie
oft es bei der Leukemie mit ergriffen ist. Ein Fall von Leukämie, in welchem es
allein erkrankt gefunden wäre, ist bisher noch nicht constatirt worden — möglich
allerdings, dass solche Fälle selbst auf dem Sectionstisch unerkannt geblieben sind.
So lange indessen ein derartiger Befund noch fehlt, scheint die von Ponfick vorgeschlagene
Bezeichnung »medulläre Leukaemie« vor der Bezeichnung »myelogene«
den Vorzug zu verdienen. Jedenfalls ist die erstere unverfänglicher und entspricht
mehr den Benennungen »lienale« und »lymphatische« Leukaemie.
Die Knochensubstanz selbst zeigte sich insofern verändert, als sie wie sklerosirt
aussah. Es scheinen danach in dieser bereits ebenfalls Ernährungsstörungen
eingetreten zu sein. Es wäre wünschenswerth, dass in Zukunft dem Verhalten auch
dieser I heile einige Aufmerksamkeit zugewendet würde.
Die Leber
bot schon dem blossen Auge höchst auffallende Veränderungen. Wenngleich sie bei der
Leukaemie sehr häufigerkrankt, — unter 92 von Ehrlich 1 ) zusammengestellten Fällen
wurde sie 54 Mal erkrankt gefunden — so ist doch die Bildung grösserer Tumoren
iu diesem Organ eine Seltenheit. Selbst in denjenigen Fällen, wo sie vergrössert
gefunden wurde, beruhte dies nicht immer auf einer specifisch leukämischen Erkrankung,
sondern nach Virchow 2 ) auf einer hypertrophischen, gewöhnlich aber auf
einer hyperplastischen Zunahme der Leberzellen, durch welche die Acini des Organs
sehr gross werden. Nach Virchow besteht die häufigste Erkrankungsform dieses
Organs bei der in Rede stehenden Krankheit in einer Infiltration, welche von der
Capsula Glissonii ausgeht und sich später zwishen die Netze der Leberzellen in die
b Ehrlich. Inauguraldissertation Dorpat 1861.
2) Virchow, die krankhaften Geschwülste, II, p. 570.