Volltext : Königlich-Dänischer Hof- und Staats-Calender für das Jahr 1837. (1837)

boten.  Es  scheinen  dies  Theile  zu  sein,  in  welchen  die  Hyperplasie  eine  im  Verhältnisse ­
  zu  den  übrigen  schneller  vor  sich  gehende  ist.  Im  Uebrigen  bot  sie  nichts
von  den  bei  Leukaemie  gewöhnlichen  Milztumoren  Abweichendes.  Ebenso  stellten
sich  die  Lymphdrüsen  im  Zustande  bedeutender  reiner  Hyperplasie  dar.
Das  Knochenmark
in  der  Diaphyse  des  linken  Humerus,  das  der  Rippen  und  eines  Theiles  des  Beckens
hatte  eine  gelbe  Farbe,  war  sehr  weich  und  fast  zerfliessend  wie  Eiter.  Der  von
Neumann  beschriebene  Farbenwechsel,  wobei  nach  kurzer  Zeit  die  ursprünglich  gelbe
Farbe  in  ein  blasses  Roth  übergeht,  trat  in  dem  vorliegenden  Falle  nicht  ein.  In
demselben  zeigten  sich  dieselben  Elemente,  mit  Ausnahme  der  pigmentirten  Zellen,
wie  im  Blute.  Wahrscheinlich  war  auch  hier  der  Eeukämische  Process  über  das
ganze  Skelett  verbreitet,  ohne  dass  er  während  des  Lebens  durch  irgend  welche
Symptone  sich  verrathen  hätte.  Bei  den  bisher  beobachteten  Fällen  ist  das  Knochenmark ­
  noch  zu  selten  berücksichtigt  worden,  als  dass  sich  genau  feststellen  Hesse,  wie
oft  es  bei  der  Leukemie  mit  ergriffen  ist.  Ein  Fall  von  Leukämie,  in  welchem  es
allein  erkrankt  gefunden  wäre,  ist  bisher  noch  nicht  constatirt  worden  —  möglich
allerdings,  dass  solche  Fälle  selbst  auf  dem  Sectionstisch  unerkannt  geblieben  sind.
So  lange  indessen  ein  derartiger  Befund  noch  fehlt,  scheint  die  von  Ponfick  vorgeschlagene ­
  Bezeichnung  »medulläre  Leukaemie«  vor  der  Bezeichnung  »myelogene«
den  Vorzug  zu  verdienen.  Jedenfalls  ist  die  erstere  unverfänglicher  und  entspricht
mehr  den  Benennungen  »lienale«  und  »lymphatische«  Leukaemie.
Die  Knochensubstanz  selbst  zeigte  sich  insofern  verändert,  als  sie  wie  sklerosirt
  aussah.  Es  scheinen  danach  in  dieser  bereits  ebenfalls  Ernährungsstörungen
eingetreten  zu  sein.  Es  wäre  wünschenswerth,  dass  in  Zukunft  dem  Verhalten  auch
dieser  I  heile  einige  Aufmerksamkeit  zugewendet  würde.
Die  Leber
bot  schon  dem  blossen  Auge  höchst  auffallende  Veränderungen.  Wenngleich  sie  bei  der
Leukaemie  sehr  häufigerkrankt,  —  unter  92  von  Ehrlich 1 )  zusammengestellten  Fällen
wurde  sie  54  Mal  erkrankt  gefunden  —  so  ist  doch  die  Bildung  grösserer  Tumoren
iu  diesem  Organ  eine  Seltenheit.  Selbst  in  denjenigen  Fällen,  wo  sie  vergrössert
gefunden  wurde,  beruhte  dies  nicht  immer  auf  einer  specifisch  leukämischen  Erkrankung, ­
  sondern  nach  Virchow 2 )  auf  einer  hypertrophischen,  gewöhnlich  aber  auf
einer  hyperplastischen  Zunahme  der  Leberzellen,  durch  welche  die  Acini  des  Organs
sehr  gross  werden.  Nach  Virchow  besteht  die  häufigste  Erkrankungsform  dieses
Organs  bei  der  in  Rede  stehenden  Krankheit  in  einer  Infiltration,  welche  von  der
Capsula  Glissonii  ausgeht  und  sich  später  zwishen  die  Netze  der  Leberzellen  in  die

b  Ehrlich.  Inauguraldissertation  Dorpat  1861.
2)  Virchow,  die  krankhaften  Geschwülste,  II,  p.  570.
            
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