Volltext : Vernünfftige Erinnerungen der, seiner väterlichen Liebe empfohlnen Jungfer, Jungfer Margaretha Christina Klippen, Deß weiland Hochwolehrwürdigen, und Hochwolgelahrten Herrn, Hrn. Niclas Henrich Klippe, Treu-verdienten Archidiaconi bey der St. Nicol. Kirche zu Kiel eintzig hinterlassenen Tochter, Als Dieselbe Mit dem Hochedelgebohrnen Herrn, Hrn. Ludolph Henrich Cordemann, gnädigst verordnetem Cammer-Assessore Den 19. Febr. A. 1743 zu Lübeck ehelich verbunden ward, am Tage der Hochzeit aus guter Wolmeynung gegeben

at ein gewisser, geistreicher Lehrer das Meisterstuͤck einer geheiligten Vecnunfft
genennet. Zwar giebt es so niedertraͤchtige Gemuͤther, die bloh von den Grossen
ssr Wi ihre Gluͤckseligkeit, und Beruhigung erwarten / mithin in dem Wahn
ehen, man duͤrfe aus der Religion nicht viel Wesens machen. Allein vernuͤnff⸗
tige Seelen kennen und verehren noch gantz eine andere Hoheit, welcher alle
Macht, und Gewalt, alle Haͤupter der Sterblichen e aeise 9
Majestaͤten, und Fuͤrsten, alle Erhabene auf Erden unterworfen. Diese
rdaubet, oder nimt der Gebuͤhr, und Unterthaͤnigkeit nichts, so wir denen schul⸗
dig sind, die Gebuhrt, Stand, Gluͤck, Zeit und Verdienst verherrlichet, es sen
nun, daß uns so wol eine aͤusserliche Ehrerbietigkeit, als innerliche Hochachtung,
oder beydes darzu berechtiget. Man soll —R Menschlichkeit dabey erin⸗
nern, und nicht vergessen / wus ein frommer erlauchter Koͤnig erseuffzet: Ps. 86,
Weise mir HErr deinen Weg daß ich wandele in deiner Wahrheit, ii
erhalte meiñ Hertz bey dem einigen, daß ich deinen Nahmen fuͤrchte.
Hiernegst aber ist es auch einer vernuͤnftigen, verehelichten Tochter hoͤchstan.
staͤndig sich demmenigen recht gefaͤllig und angenehm zu machen, der die unschu
dige Etroberung ihreo Hertzens erlanget · DieseGefaͤlligkeit bestehet in Erweisung
einer aͤchten Treuç, und Liebe, mit einer reigenden Leutfeligkeit dergeostet
Es ist eben so se das ein eheliches Feuer nicht brennend, nicht dauerhafft,
nicht anmuthig genug seyn koͤnne, als da der schmaͤhsuͤchtige Hichter RHPPONAX
bon Epheso , Rann und Weib zusammen gefuͤget, nur zwey froͤliche, und gute
Tage beschieden, nahmentlich den ersten, und letzten. Die tugendhaffte Gluth
der Liebenden flammet starck / bestaͤndig, und schoͤn genug, wenn zwey in eins
verbundene in Gemeinschafft deß Leibes, und der Guͤther / dem Zweck deß Schoͤ⸗
pfers zufolge, bey einander wohnen, und den reinen Brand durch stete Freund⸗
schafft, und Vertraulichkeit unterhalten. Eine vernuͤnfftige Frau vereiniget
jederzeit ihre Worte mit den Wercken, also, wie sie sich einmal gegen ihren Ge⸗
liebten erklaͤhret, und Ihm darauf die Hand zum Zeichen der Treue gegeben.
Eine unveraͤnderliche Zuneigung laͤsset Sie in der Liebe nicht wancken, sie weiß
ihn holdselig, und mit einer freundlichen Ernsthafftigkeit zu gewinnen. Der Eh⸗
re ihres Mannes wird sie gleichfals theilhafftig; er ist ihr Herr, sie seine Rath⸗
geberin. Ihr Schicksal haͤnget unzertrennlich an dem seinigen, ed mag dem
Himmel gefallen, die Zufaͤlle deß Lebens zu bestimmen, wie er wil, und als es
in dem tiefen Rath der allweisen Vorsehung beschlossen. Verstellung, List, Arg⸗
wohn, und Eifersucht entziehen dem geweiheten heiligen Verbuͤndniß den besten
Wehrt, ja, eine abwechselnde Gunst, und Kaltsinnigkeit, Zweifel, und Mißtrauen,
Neid, und Verdacht haͤben oͤffters dasselbe aufgehoben, und vernichtigt..
Doch !es lehret die Erfahrung nicht weniger, daß auch eine verheyratete Fein—
din vernuͤnfftiger Haͤuslichkeit zu Zeiten ihrem Freyer, wo nicht einen Scheide⸗
Brief abgepresset / dennoch zu grossem Verdruß, und Kummer Anlaß gegeben,
dergleichen nicht etwa mit dem Eingang der haͤuffigen neuen Moden, und Ma⸗
nieren allererst bey unsern Teutschen sichtbar worden, sondern schon vor mehr
denn hundert Jahren in Holstein M. SSMVEL MEIGERIVS, Pastor zu Nortorff
augestichelt, da er ein eigenes Speculum oeconomiae conjugale, das ist: Ein
Spiegel ehelicher Haͤushaltung in einem Dialogismo vnd Gesprech⸗
Zwischen zween erbaren, Tugendreichen Frawen, Agathen vnd So⸗
Wieer fuͤrgestellet, Zu welchen sich das weitbeschallete boͤse Weib
ye gesellet, und eindringet, artig vnd nuͤtzlich zu lesen, in Ham⸗
— 3. ausgefertiget. Und wahrlich, einen stillen eingezogenen Wandel
eeee Hauswesen ordentlich einrichten / und regieren, sind weihliche edle
—8 sagungen deren nur ein vernuͤnfftiges Frauenzimmer sich hefleissiget.
baiteench jemals ein Stand auf Erden einer regelmaͤssigen Lebens. Art, Ar⸗
ais durch Snggfalt. und Verhuͤtung unnoͤtiger Ausgaben (womit weit —
nigkeiten — Andd Baohachtung wenigoder gar niht⸗ —EX daß
— 28Pt Fird), so ist es der Ehestand, und zugleich unstreitig 8
em Segen, und wenn es mit dem aͤusserlichen Zustande dr pr

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