Full text: T bis Z. Nachträge (Fünfter Band)

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Wroge — wrölen 
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Wroge f. „Rüge“, „Anzeige eines Verbre 
chens oder Vergehens“, „Buße“; nxnd. wroge; 
im Volksmund längst zu Grunde gegangen, 
in der Aktenspraehe bis ins 19. Jhdt. erhal 
ten; 1856 wurden nach Akten der Stadt 
Ratzeburg 2 Personen wegen Forstfrevels 
zur Anzeige gebracht, und das wird Forst 
wroge genannt; s. wrögen. 
Wroger s. Wröger. 
Wromk „Wermut“ s. Wrömp. 
Wrongel „Käsestoff“ s. Wrungel. 
Wroon, Wroen {vrön) n. „Kraut von 
Wurzeln und Bohnen“, nur durch Brem. 
Wbch. 6, 422 für Dtm. 18. Jhdt. bezeugt. 
Vgl. Brem. Wb. 5, 283 Woden, Woen „die 
grünen Stengel und Blätter der Wurzel 
gewächse, Kraut der Rüben, Möhren; in 
Stade Wroden“. 
wrosen fvrözn), wrausen sw. v. „aus- 
pressen“, „zerquetschen“, „drücken“ Holst. 
1823 (Staatsb. Mag. 3, 469) Storm. FL. de 
Flederbgrn ward wroost „beim Eimmachen 
durchgerübrf, ausgedrückt“. Zweispänner: 
wrangen un w. FL. Dazu: wat ’n Gewroos! 
dat wgr ’n Gewroos! „Gedränge“, „Gequet- 
sche“. Zsstzg. Wroos-büdel m. „Leinen 
tuch, in dem man Früchte, bes. Flieder 
beeren, zerdrückt“ Storm. Vgl. wrausig. 
Wrosen (vrözn), Wrausen f. „Gras 
seuche der Kühe“ Storm. 
Wröbel „Frevel“ s. Wrgwel 1 . 
Wrögel (vrggsl) m. „Nörgler, mürrischer 
Mensch“ Kremp. Wm.; auch „händelsüch 
tiger Mensch“ Storm. Zu wrggeln (s. d.). — 
Zsstzg. Wrpgel-hans m. „mürrischer, 
verdrießlicher Mensch“ Oh 
wrögeli (vrg-geli) und {mit Entrundung 
des ö) wrögeli (s. d.) adj. „streitsüchtig“, 
„reizbar“, „leicht beleidigt“, „unzufrieden“, 
„ärgerlich“. Vgl. wr—. Das Wort ist in 
Holst, überall bekannt, in Schlesw. nur ver 
einzelt (Dw.). Zu wrggeln (s. d.). 
wrögeln [vrggeln) und {mit Entrundung 
des ö) wrögeln (s. d.) sw. v. „nörgeln“, „stän 
kern“, „murren“, „brummen“ Ableitung von 
wrggen (s. d.) mit stark abgeschwächter Be 
deutung. he wrggelt gwer allens; de wrggelt 
den gansen Dag Ummer so rüm Oh. Pbg. 
Storm. Wm. Dtm. Vgl. Wrggel, wrggeli. 
wrögen (vrön) sw.v. „rügen“, „beschul 
digen“, „anklagen“; mnd. wrögen, alts. wrö- 
gian, ags. wregan, altfries. wrögia, fries. 
wrögi, got. wröhjan, ahd. mögen, mhd. rüe- 
gen. Das im Mnd. sehr häufige Wort (bes. 
als Fachausdruok der Rechtssprache „zur 
Anzeige bringen“, vgl. Wröger) ist fast aus- 
gestorben; vereinzelt begegnet es noch in 
der abgeschwächten Bedeutung „nörgeln“, 
„murren“: he wrögt un wrackt un nix is em 
mit Wm. 1870. Boysen v. Nienkarken (1860) 
S. 3 van lustigen Ti)gen is nix na sien 
Mggen, he kann man noch wrggen Ndtm. 
Es lebt aber fort in den Ableitungen wrg- 
geln und wrggeli. Über die friesische Sitte 
des Wrögin (heimliche Tötung einer Ehe 
brecherin) s. Heim. 39, 259. Vgl. Wroge. 
Wröger m. „Rüger“, „Sabbafb- oder Hei 
ligtagsvogt“, zu wrögen (s. d.). Die Wröger 
waren im 16. und 17. Jhdt. eine Art Kirchen 
polizei; sie hatten darüber zu wachen, daß 
die Sonn- und Festtage nicht entheiligt wur 
den, insbesondere daß die Leute sich beim 
Kirchenbesuch nicht in den Wirtshäusern 
oder auf dem Kirchhof verspäteten, sich von 
Ärgernis erregenden Ausschweifungen fern 
hielten usw. In den Visitationsberichten des 
Gottorfer Generalsuperintendenfen Jakob 
Fabricius des Älteren und des Jüngeren 
(1631—47), die sich auf die Propsteien Got- 
torf und Hütten erstrecken, werden bei jeder 
Kirche Wröger aufgeführt. Auch für Ang. 
sind sie bezeugt. Im nördl. Schleswig -sollen 
Wröger noch bis in die 40er Jahre des 19. 
Jhdts. vorgekommen sein. 
Wrökel (vrgg\) und (mit Entrundung des 
ö) Wrpkel (vrggl) m. „unzufriedener 
Mensch, der an allem etwas ausizusetzen hat“, 
„Nörgler“ Dtm. dat is rech so ’n W. Zu wrg- 
keln. 
wrökeli (vrg-kgll) und (entrundet) wrf- 
k e 1 i (s, d.) adj. „nörgelsüchtig“, „über jede 
Kleinigkeit scheltend“ Dtm. Zu wrgkeln. 
wrökeln (vrggln) und (entrundet) wr$- 
k e 1 n (s. d.) sw. v. „Händel suchen“, „nör 
geln“. Ableitung zu mnd. wroken, „zanken“, 
„streiten“ zum Substantiv wrök „Streit“, 
„Zwietracht“. Zufrühst bei Ziegler für Dtm. 
1755: „immer von neuem von einer Sache zu 
reden anf angen, Händel suchen“. Sonst meist 
wie wrggeln „nörgeln“: he hebt Ummer wat 
to w. „man kann ihm nichts recht machen“ 
Dtm. Gern in Vbdg. mit -dem gleichbedeu 
tenden und gleichklingenden mäkeln: Groth 
2,118 he vergeet dat W. un Mäkeln. 3, 232 
Lüd, de gwer allens mäkelt un wräkelt. Be 
sonders auch von dem unruhigen Betragen 
und Weinen kleiner Kinder (Dtm.). 
wrölen (vrgli}) sw.v. „wühlen“, wohl eine 
Kompromißform zwischen den gleichbedeu 
tenden Verben wählen und wrgten (s. d.); 
vgl. wr—. Das Wort wird hauptsächlich vom 
Wühlen der Schweine gebraucht: dat Swien 
wrglt Ang. Schw. Eid. (abst.). Aber auch 
sonst von Tieren, namentlich vom Scharren 
der Hühner (vgl. Wraul) in der Erde, auch 
der Hunde nach Mäusen, der Maulwürfe 
usw. Ferner vom Umwühlen der Erde durch 
den Pflug: de Ploog wrglt dat Land öm Ang.
	        
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