Holsteiner . Das war aber in diesem Falle nach unserer Kenntnis der Verhältnisse nicht der Fall . "
Für mich war die auffallende Berücksichtigung der Wünsche der Kirchenbehörde , die in diesem Fall noch dazu Partei war , ein Exempel der KonkordatSpraxiS , um die gerade zu dieser Zeit im Reich gefochten wurde . Durch die oben geschilderte Stellungnahme deS Kultusministers rückte die für mich so bittere Angelegenheit aus dem rein persönlichen in daS Bereich der Prinzipien . Eindringende Beschäftigung mit dem bayrischen Konkordat , über das ich zur Warnung vor einem analogen Reichs - oder preußischen Konkordat eine Abhandlung für die „ Hilfe " schrieb , konnte zu beiderseitigem Be - dauern wegen ihrer Länge in der „ Hilfe " keine Aufnahme finden . Mir dafür einen Verleger zu suchen , verhinderten mich die letzten Erschei - nungen über die Marktlage für liberal - protestanische Geistesprodukte . Aber innerhalb meiner Partei und in ihrem Kulturausschuß konnte ich diese Studien vielfach verwerten . Die Konkordatsfrage , die in Bayern ja die konfessionelle Schulfrage einschloß , wurde dann im Reich durch den Streit über daS Volksschulgesetz abgelöst , in dem ich eine gewisse Mittelstellung einnahm .
Am 21 . F e b r u a r 1926 hielt ich in der Heiligen - Geist - Kirche meine Abschiedspredigt . Schon vor dem Kriege war seitens des Kurators die Schenkung der alten schönen , zum Bereich der Univer - sttat gehörigen Kirche geplant . Es sollte eine Jubiläumsgabe deS Staates an die Universität darstellen . Dazu bedurfte eS nur eines Antrags des UmversitätSpredigerS durch den Senat an die Regierung . Zu einem solchen konnte ich mich aber nicht entschließen , da ich für innerlich unbegründet erachtete , ein Bedürfnis der Universität nach einem eigenen Gotteshaus zu behaupten . Nun vollzog sich , da die Kirche durch Umzug der sie bisher aufsuchenden Gemeinde nach der früheren Marinegarnisonkirche frei war , die Überlassung ohne weinen Antrag . Der Abschied von der Universitätsgemeinde war überaus wehmütig ; denn cS gab kaum eine Universitätsgemeinde wehr . Zum letztenmal stärkte mich zur Predigt die wundervolle Glockenstimme der Frau meines Freundes Kohlmeyer . Einige Stücke aus der Predigt mögen meine innere Situation und die Art meiner Selbstdarstellung veranschaulichen :
„ Mit dem heutigen Sonntag treten wir in die eigentliche Passionszeit ein und der Schluß unserer akademischen Gottesdienste trifft damit
477