Full text: Molière's Leben und Werke vom Standpunkt der heutigen Forschung

II . Molière'« Entwicklung zum Dichter ( 1622—1658 ) . 
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( I , 3 , Desoís a . a . 0 . S . 253 ) nur gesuchte Phrasen und gezierte Koketterie auf Seiten Celia's finden . Der Dialog zwischen Célie und der auf sie eifersüchtigen Hippolyte ( V , 8 ) — eine von Molière fundene Scene — zeigt den angeborenen Seelenadel dieses anmuth - vollcn Charakters gegenüber den gesuchten Spitzfindigkeiten der Nebenbuhlerin . 
Es ist nun eine glückliche Aenderung , die Molière init dem lieferten Stoffe vornahm , dass er die wenig liebenswürdige Hippolyte und ihre Koketterie mit Léandre hinter dem romantisch angehauchten Licbesvcrhältniss der Célie und des Lélie zurücktreten liess . Darum übertrügt er u . u . die halb orakelhafte Liebeserklärung der Lavinia ( Inavv . 1 , 8 ; Despota I , 260 ) in etwas veränderter Form auf Célie . 
Im italienischen Stücke tritt gerade diese mannssüchtige Kokette 
Lavinia in den Vordergrund des dramatischen Interesses , währen^C ' die Celia und ihr Liebhaber Fulvio uns nur ganz nebenher beschäftig« Es fehlt hier also jedes ideale Gegengewicht zu dem platten Reali« mus der schlauen Intriguen Scappino's und der rastlosen und unermüc liehen Koketterie Lavinia'» , wie es die Molière'sche Nachahmung i den Liebesscenen zwischen Célie und Lilie darbietet . 
Ebenso ist es ein Vorzug , dass Molière die gezierten Concetfic wie die rücksichtslosen Derbheiten des italienischen Vorbildes bei Sei liess * ) , und überhaupt die Liebesscenen von der ermüdenden Breite und manierirten Form des Inavvertito« frei machte . Dafür tritt freilich die Entfaltung der Liebe und die Entwicklung der weiblichen Charaktere hier noch mehr hinter den rnftinirten Intriguen Mascarille's und den hirnlosen Unbesonnenheiten Lélie's zurück . 
Diese Aenderung und Verbesserung in der Charakterzeichnung , das Weglassen unnöthiger Personen ( des Spacca und der Laudomia im Inavvertito« ) , der romantische Anstrich der Liebesbeziehungen , der selbständig , wenngleich unglücklich erfundene Schluss , Aenderungen im Einzelnen , die nicht ungeschickte Zusammenfügung so disparater Bestandtheile — Alles das zeigt Molière's gereifte Selbständigkeit . Die Hauptfehler des »Inavvertito — das Unwahrscheinliche der ganzen Handlung , das Uebertriebene in der Charakterzeichnung des Mascarille und des Lélie , vor Allem der geradezu unmögliche zug des italienischen Stückes , dass Scappino seinen Herrn ohne jede Kenntniss von den für ihn angesponnenen Intriguen lässt und so ihm die beste Gelegenheit gibt , diese durch unüberlegte Geradheit zu eiteln — dieser schon von Voltaire ( s . o . ) gerügte Cardinaltehler — , Alles das ist von Molière oline durchgreifende Aeuderung herüber - genomnien . Sein Mascarille wird zwar durch das selbstbewusste Re - nommiren mit seinen Schurkereien noch komischer als Scappino , doch ist dies eine Komik , die nicht ganz von moralischem Widerwillen frei lüsst . Wie sehr daher der Etourdi auch die beiden Farcen 
' ) Despots' Bemerkungen I , 90 , 130 , A . 1 
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