Full text: Molière's Leben und Werke vom Standpunkt der heutigen Forschung

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Molière'« Leben und Werke 
>Boniface et le Pédant ( 1083 ) , nus dem Encomium Morto« des Erasmus , ans Pichon's Komödie : »Les Folies de Cárdenlo * ( 1029 ) , aus Plautus' »Amphitruo« un , doch das sind nur vereinzelte Re - miniscenzen , die dem belesenen Dichter bei der Abfassung des Stückes vorschwebten . 
Es verbleibt sonach bei der oft ausgesprochenen Behauptung , dass die Scenen , welche sich um den Zwist der beiden Liebenden und ihre Versöhnung gruppiren , also der Dépit amoureux« im engeren Sinne , von Molière im Wesentlichen selbständig geschaffen sind . Gerade diese Scenen zeigen nicht nur eine grosse Ucberlegen - heit in der Zeichnung der weiblichen Charaktere , sondern auch eine relative Selbständigkeit in der Charakteristik des Eraste , die Molière nur in den Grundzügen dem italienischen Vorbilde entnahm , nber im Einzelnen tiefer , individueller und psychologisch feiner gestaltete . Auf eigene Erfindung deutete ferner hin : der Monolog des Mascarille ( V , 1 ) , die Unterredung der beiden Greise ( III , 4 ) , die Figuren des Gros - René und der Marinette , wie auch der Frosine , der Vertrauten Ascagne's . 
Eine interessante , nicht völlig abgeschlossene Frage ist es , ob Molière für die Versöhnungsscene zwischen Eraste und Lucile den >Pero del hortelano» des Lope de Vega benutzt hat . Gegen diese Annahme spricht einmal die Verschiedenheit der Scene im > Dépit amoureux von der entsprechenden des spanischen Stückes1 ) , dann die Thatsache , dass Molière vor der Dichtung der > Ecole des maris <■ sonst keine spanische Komödie benutzt liât * ) , und dass er mit dem Bpaui - gehen Theater wahrscheinlich erst durch die Anwesenheit einer nischen Truppe in l'aris ( 1059 ) bekannt wurde . 
Mit dem > Etourdi« verglichen , zeigt »Dépit amoureuxt nicht nur die dichterische Vervollkommnung Molière's , sondern auch seine sittliche Läuterung , liier wird nicht mehr die raffinine Schurkerei mit einem halb komischen Glorienschein umgeben , denn Mascarille , der Intriguant des Stückes , ist lediglich ein feiger , nur aus Egoismus , nicht aus Ruhmsucht intriguirender Spassmachor , und wird selbst von dem schlauen , aber redlich denkenden Gros - René düpirt und bei nette ausgestochen . Eraste und Valére werden in ihrer Bewerbung um Lucile nicht allein von sinnlichem Ungestüm und jugendlicher Leichtfertigkeit geleitet , wie Lélie , sie sind edle , nobel denkende , haft liebende Jünglinge . Eine mannstolle Kokette , wie die Hippolyte des Etourdi , fehlt hier glücklicherweise , und auch Ascagne , die lich zweifelhaftere der beiden Liebenden , zeigt doch in der redung mit Valére ( II , 2 ) wahre Liebe und weibliche Zartheit . Mit Recht ist die Charakterzeichuung der Lucile von jeher bewundert 
' ) S Dttpoi * a . a . 0 . S . 384 , A . 3 . 
* ) S . meine Abhandlung : Molière in seinem VcrhiUtmss zur spanischen Komödie , in Herrig s Archiv Bd . 60 , S . 289—295 .
	        
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