Und nun , wie sollten wir denn Kreuzträger wie Jesus werden , die wir in unserem stillen Leben unseres DaseinS Kreise erfüllen und uns nicht rühmen können eines Berufes wie der Weltheiland ? . . . Aber wir , was können wir durch unseren Untergang , was können wir , wenn es dazu käme , durch unser Kreuz der Welt , den anderen nützen ? Bleibt nicht auch darin der Heiland einzig für sich ? Können wir ihm denn folgen ? "
„ Es ist schon ein Übelstand , daß wir so oft Worte , die dem Einzigen zu Gesicht stehen , auf uns kleine Leute deuten , daß wir das Gewaltige , Heldenhafte so klein und bescheiden machen , daß es zu unserem Format paßt . DaS muß sehr ernstlich bedacht werden , ehe wir die großen Worte auf unsere Lippen nehmen ; werden sie nicht klein in der Anwendung auf unö ? Aber dieses Wort können wir nicht anders als auf uns alle anwenden . Und nach einem Leben deö Kampfes und ohne alleResignation will ich mich dazu bekennen : das ist das große Wort , das über jedem Christenleben steht : Selbverleug - nung , Kreuztragen . Und jeder Tag soll unö dazu helfen : , nimm dein Kreuz täglich auf dich ! ' — das Wort hatte meine Frau in englischem Spruchband so aufgehängt , daß unser Blick beim Erwachen darauf fiel — „ das liegt schon darin , daß unsere Natur so enge Schranken hat . Ja , die starken Nietzsche - Leute , die mögen sich auöwachftn ohne Ende , und ihr Reichtum mag dann vielen zum Segen sein ; wir wollen darüber nicht absprechen . Aber unsere Überzeugung als Christenleute ist die : unsere menschliche Natur ist im ganzen nicht derart , daß sie in gerad - linigem Fortschreiten das Ziel erreicht . Der alte Adam ist in unS zu stark , unser Dasein ist zu gemischt : selbst in den starken und großen Momenten des Lebens , im öffentlichen Dienst , in der Hingabe an eine große , heilige , vaterländische Sache mischt sich daS kleine Ich in so erbarm - licher Weise hinein in daS Größe . Es ist i n uns dies gemischte Wesen , unendlich viel Selbstsucht auch in dem , was wir als Lieb - haben auslegen , dieses immerwährende Mitsprechen deS kleinen , gehrlichen und sich zur Geltung drängenden Ich . Deshalb müssen wir uns und denen , die wir erziehen , das Mißtrauen gegen die eigene Natur einpflanzen und müssen ihnen sagen , daß sie sich selbst mit ihrer ganzen Selbstgefälligkeit gründlich kreuzigen müssen . "
„ Aber wir predigen nicht Resignation . Christentum ist das Gegenteil von Resignation . Resignation verlangt auch keine Selbstverleugnung ; dann kann man erst recht sich selbst behaupten ,
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