Full text: Newspaper volume (1929, Bd. 3)

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Rt. 105 
Zweites Blatt 
Mîtşwory, 
21. Mgüfl 
Rendsburg, den 21. August 1929. 
Tme erfreuliche Nachricht: 
Verminderung der Polizeilasten. 
MH M WH näÈScn Mi al tunû iS» «. WiMM (Daren. 
Nachdem der preußische Staatsrat am 23. Juli 
dem vom Landtag beschlossenen Polizeikosttngesetz 
C sstimmt hat, ist am 1. April n. I. mit einer voll 
menen Umgestaltung der Aufbringung der Po 
lizeitosten zu rechnen. 
Entgegen der Regierungsvorlage, durch die nur 
der Polizeilostenausgleich unter den Gemeinden mit 
staatlicher Polizei auf eine neue Basis gestellt wer 
den sollte, hat der Landtag entsprechend den Wün 
schen des Staatsrats die Neuregelung auch auf die 
Gemeinden mit kommunaler Polizei ausgedehnt, so 
daß sowohl der spezielle wie auch der allgemeine 
Lüstenausgleich für die Poltzeikosten in einer neuen 
Gestalt erscheint. 
Wenn auch die Neuorganisation der Aufbrin 
gung der Polizeikosten für manche Städte gewisse 
Ungerechtigkeiten in sich birgt, so wird doch unum 
wunden zugegeben werden müssen, daß der bisherige 
Zustand unhaltbar war. Das leuchtet ohne weiteres 
ein, wenn man den auf den Kopf des Einwohners 
entfallenden Anteil an Polizeikosten in den einzel 
nen Städten vergleicht. So hatte z. B. Breslau 
2,03 RM. pro Kopf der Bevölkerung im Jahre 
1928 zu zahlen, während sich die Kopfguote für 
Rendsburg auf 3,06 RM. auf Grund der amtlichen 
Unterlagen errechnet. Dabei steht Rendsburg nicht 
einmal am schlechtesten unter den preußischen Städ 
ten da, wenn man bedenkt, daß z. B. Neiße 9,53 
RM., Düren sogar 10,41 RM. pro Kopf im Jahre 
1928 aufzubringen hatten. 
Diese außerordentlichen Unterschiede resultier 
ten daraus, daß die Gemeinden mit staatlicher Po 
lizei nur etwa ein Drittel der Lasten für den orts 
polizeilichen Bedarf zu traigen hatten, die Gemein 
den mit kommunaler Polizei aber die vollen Polizei- 
lasten. Freilich muß dem entgegengehalten werden, 
daß in Gemeinden mit staatlicher Polizei der orts 
polizeiliche Bedarf zumeist entsprechend größer ist 
als in den Gemeinden mit kommunaler Polizei. 
Nach dem beschlossenen Gesetz werden in Zu 
kunft die Lasten für die staatliche und kommunale 
Polizei in sämtlichen Gemeinden auf die Gesamtheit 
der Gemeinden mit mehr als 2000 Einwohnern im 
Verhältnis zur Einwohnerzahl und zu ihrem Auf 
kommen an Einkommen- und Körperschaftssteuer 
umgelegt. Den Gemeinden wird dann für jeden 
kommunalen Polizeibeamten ein Betrag von 3000 
RM. vom Staat aus dieser Umlage zurückvergütet, 
so daß für den einzelnen kommunalen Polizeibeam 
ten von der Gemeinde selbst nur ein Drittel der 
Kosten, nämlich 1500 RM., zu tragen sind. (Amtli- 
cherseits werden die Durchschnittskosten für einen 
Polizibeamten mit 4500 RM. angenommen.) 
Nach den amtlichen Unterlagen sind die Polizei 
lasten der Stadt Rendsburg für das Jahr 1928 
auf 83 500 RM. errechnet. Die Lasten werden 
sich nach der Neuregelung auf 44 332 RM. ver- 
mindern, so daß also 41168 RM. weniger für 
die Polizei aufzubringen sind. 
Da sich aus dieser Neuregelung für die Gemeinden 
mit staatlicher Polizei eine außerordentlich schwere 
Belastung ergibt, soll die volle Auswirkung der 
Mehrbelastung nur successive in drei Etappen vom 
Jahre 1930 bis zum Jahre 1932 erfolgen, damit 
diesen Gemeinden Gelegenheit gegeben wird, sich 
allmählich auf die neuen Verhältnisse umzustellen. 
Es sollen daher im ersten Jahre (1930) nur 1000 
RM., im Jahre 1931 2000 RM. und erst im Jahre 
1932 und der Folgezeit 3000 RM. für jeden kommu 
nalen Polizeibeamten von der Gesamtheit der La 
stenträger ausgebracht bzw. an die Kommunen mit 
kommunaler Polizei abgeführt werden. 
Für die Stadt Rendsburg wird die Neurege 
lung also vom Jahre 1932 ab eine erfreuliche Er 
leichterung d^r Finanzlage bringen. 
Schleswig-Holstein. 
UM ösm Umfe HttttobtWQ. 
-rtn. 
* Zwangsversteigerung. Im Zwangsverstei- 
gerungstermin auf dem hiesigen Amtsgericht über 
das im Grundbuche von Fockbek Band II Bl. 85 
eingetragene Grundstück Katenstelle Haus Nr. 10 
in Fockbek mit Wohnhaus, Stall, Scheune, Hof 
raum und Hausgarten, groß 7,2723 .Hektar, ein 
getragene Eigentümerin: Hinneri'ke Im kett ne 
Bruns, geb. Dahlweg in Fockbek, gab Landmann 
Georg Brcdehorn in Fockbek das Höchstgebot mit 
5250 RM ab. 
* Abhanden gckonlmen ist in der Nacht vom 
Sonnabend zum Sonntag bei der Einmündung 
des Seekenbeks in die Fockbeker Au eine dort ge 
stellte Fischreuse. 
* Der Stenographenverein „Stolze-Schrey" 
hielt feine Bierteljahrsoerfammlung am 15. Aug, 
in Riecks Gesellschaftsbaus ab. Zahlreich hatten 
sich die Mitglieder eingefunden, um über zurück 
liegende und kommende Fragen im Vereinsleben 
zu beraten und zu beschließen. Der 1. Kaşşierer 
erstattete Bericht über das kürzlich im Hotel Glück- 
Auf in Audorf abgehaltene und in allen Teilen 
wohlgelungene Sommervergnügen, das zur Freude 
des Kassenwarts einein Betrag für die Kasse ab 
geworfen hat. Ueber den Bezirkstag in Preetz anr 
31. 8. und 1. 9. d. I. wurde des längeren debat 
tiert. Beschlössen wurde, als Vereinsvertreter 
Fra'U Brodereck und Frl. HaMberg und die Her 
ren Brodereck und Horfch zu entsenden, und den 
übrigen Teilnehmern freie Reise zu gewähren. 
Die Beteiligung seitens des Vereins verspricht - 
genau wie zum Bundesfest im Juni — sehr gut 
zu werden. Es meldeten sich sofort oa. 20 Teil 
nehmer. Weitere Meldungen müssen umgehend 
beim 1. Vors, erfolgen. Am 8. September findet 
in Sogeberg eine außerordentliche Bundesvertre 
tersitzung statt, auf der Brodereck und Greve die 
Interessen des Vereins vertreten werden. — Be 
schlossen wurde ferner, für die Beteiligung an 
häuslichen Preisarbeiten zwei Preise und für die 
im Geschäftsjahr erreichte höchste Steigerung im 
Schnellschreiben einen Preis auszusetzen. Alle drei 
Preise gelangen in der Generalversammlung zur 
Verteilung. — Für das vor einiger Zeit abgehal 
tene Be rein swe t tsch reib en konnte folgenden Mit 
gliedern ein Diplom überreicht werden: Anni 
Siekmeier 1. Preis 180 Silben, 1. Preis Korrekt- 
fchreiben, 2. Preis Wettlesen; Gertrud Kort 
1. Preis 180 S., 3. Preis KS., 3. Preis £.; Vodil 
Voddum 1. Preis 180 S., 3. Preis L.,' Anni Schle 
gel 2. Preis 180 S., 1. PreisKS., 2. Preis Lg 
Minna Haffeloerg 2. Preis 180 S., 3. Preis KS., 
3. Preis Lg Maria Hansen 2. Preis 180 S., 1. Pr. 
KS., 3. Preis Lg Anni Brodereck 2. Preis 180 S., 
3. Preis L.; Inge Urban 1. Preis 140 S., 2. Preis 
KS., 2. Preis Lg Inge Borchers 1. Preis 140 Sg 
August Schulz 1. Preis 120 S., 2. Preis KS., 
3. Preis Lg Lisbet Michel 1. Preis 120 S., 3. Pr. 
KSg Elisabeth Otto 1. Preis 120 S., Magda- 
lenie Siebten 1. Preis 120 Sg Helene Schimmer 
2. Preis 120 S., 2. Preis KSg Gustav Horfch 
3. Preis 120 S., 3. Preis KSg Mariechen Jeşşen 
3. Preis 120 S.; Grete Ehlers 2. Preis 120 Sg 
Dtto Kahl 2. Preis 120 Sg Irmgard Carstensen 
3- Preis 120 Sg Heinrich Hirsch 1. Preis 100 Sg 
am 
Bruno Kuschel 1. Preis 100 Sg Cäcilie Bielfeldt 
2. Preis 100 S., 2. Preis KSg Johann Schröder 
2. Preis 100 S., 3. Preis KSg August Etchner 
2. Preis 80 Sg Willy Rehmken 1. Preis 120 Sg 
Herta Michel 1. Preis KS.; Hugo Greve 1. Preis 
KS.; Wilhelm Bracht 2. Preis KSg Jürgen Roh- 
wer 2. Preis KS.; Johann Prösch 2. Preis KSg 
Dora HaUfchild 2. Preis L.; Hildegard Saß 
3. Preis L. 
* Seinen 80jährigen Geburtstag 
gestrigen Dienstag der Sozialrentner Kl, 
wohnhaft Tnlipanftr. 8. Im vorigen Jahre war es 
ihm vergönnt, das Fest der goldenen Hochzeit zu 
feiern. Von der Krufefchen Kapelle wurde ihm am 
Morgen ein Ständchen gebracht. 
* Ankündigung von Ausverkäufen. Die Indu 
strie- und Handelskammer zu Kiel teilt mit: Es war 
in letzter Zeit wiederholt zu beobachten, daß in 
öffentlichen Ankündigungen von Ausverkäufen die 
Angabe des Grundes für die Verkaufsveranstaltung 
fehlte. Wir nehmen daher Veranlasftmg, darauf 
hinzuweisen, daß nach § 7 Abs. 1 des Gesetzes gegen 
den unlauteren Wettbewerb in öffentlichen Bekannt 
machungen oder in Mitteilungen, die für einen grö 
ßeren Kreis von Personen bestimmt sind, soweit sie 
den Verkauf von Waren unter der Bezeichnung 
eines Ausverkaufs enthalten, der Grund angegeben 
werden muß, der zu dem Ausverkauf Anlaß gegeben 
hat. Das gilt in: besonderen für Anzeigen in der 
Tagespresse und für Schaufensterplakate. Wir Lit 
ten die Geschäftsinhaber, diese Vorschrift zu beach 
ten ,nm Unannehmlichkeiten zu vermeiden. Weiter 
hin ist darauf hinzuweisen, daß die Bezeichnung 
„Total"- oder „Räumungs"-Ausverkauf nur ge 
braucht werden darf, wenn die gänzliche Aufgab« 
des Geschäftes beabsichtigt ist. In den anderen 
Fällen, die zu einem Ausverkauf Veranlassung 
geben können, darf lediglich die Bezeichnung „Aus 
verkauf" zur Anwendung gelangen. 
Fundsachen. 
Gefunden wurde auf dem 'Schiffbrücken 
platz eine kleine Geldbörse mit kleinem Geld 
betrag, im Schwarzen Stieg eine Badehose 
und Handtuch, auf dem Spülfeld ein Haustür- 
schlüssel. Die Sachen befinden sich im Fund 
büro (Polizeibüro). 
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Bereins-Anzeiger 
Ol&fa»ttsiitAm Sonnabend.den24.August 1929 
ttipUltrA 8 Uhr, in der SchtveizerhaRe 
Sommervergnügen 
Reserve- und Landwehr-Berem. 
Generalversammlung 
am Freitaņ. den 23. August, abends 8V- Uhr 
in Riecks Gesellschaftsbaus. 
U. a. Wortrag: 
Unsere Mörsergeschütze (Dicke Bertha) 1914/15. 
Um zahlreiches Erscheinen wird gebeten. Der Borltand 
ai. Hohenwestedt, 20. August. Kirchenkonzert. 
Den seltenen Genuß eines Kirchenkonzerts ver 
schafften uns am gestrigen Abend die Damen 
Fräulein Kübel aus Leipzig und Fräulein Irm 
gard Etzdorf aus Reusefeld. Fräulein Kübel, die 
dem weltbekannten „Leipziger Quartett" ange 
hört, in dem bte Tradition der ältesten und älte 
ren Kirchenmusik seit langer Zeit gepflegt wird, 
erfreute durch den Vortrag von einfach gesetzten 
Chorälen, unter denen insbesondere der von Joh. 
Seb. Bach komponierte: „Kommt, Seelen, dieser 
Tag muß heilig sein befunden" einen starken Ein 
druck machte. Ab« auch das: „Heilig, heilig, hei 
lig" von Händel wußte sie, trotz der akustischen 
Schwierigkeiten, wirkungsvoll zu bringen. Am 
wenigsten gelang dies vielleicht 'bet der modernen 
Komposition Mergners zu dem Eerhardt'schen: 
„Geh aus mein Herz und suche Freud!" Mit ganz 
besonderem Interesse lauschte die Hörerschaft den 
Orgelvorträgen der jugendlichen Organistin Irm 
gard Etzdorf. Da sie in der Kirchengemeinde Ho- 
henweftedt ihre Kindheit verbracht hat, hatte ge 
wiß auch persönliche Anteilnahme viele zu der 
Feierstunde in bte Kirche geführt. Im Programm 
waren der jungen Virtuösin 6 Vorträge einge 
räumt. Das Praeludium und die D-Äurfuge von 
Joh. Seb. Bach wurden in vollendeter Form zu 
Gehör gebracht. Aber auch die Umrahmungen 
alter schlichter Choräle, wie: „Vaterunser im 
Himmelreich", „Wachet auf, ruft uns die Stimme" 
und „Valet will ich dir geben" lösten allgemeine 
Anteilnahme aus. Mit fern gewaltigen Bachfchen 
A-dur Praeludium wurde das Konzert, das alle 
Hörer befriedigt und selbst hingerissen haben 
wird, 'geschloffen- Leider konnten die auf dem 
Konzertprogramm angekündigten Derger'schen 
Kompositionen von der Orgelkünstlerin nicht ge 
bracht werden. Das Instrument versagte zu der 
artigen Werken den Dienst. Störend machten sich, 
besonders während der Orgelvorträge, die Män 
gel der überalterten Orgel bemerkbar durch aller 
lei Nebengeräusche. Es wäre wirklich an der Zeit, 
daß dem so lange geplanten Neubau endlich näher 
getreten würde — das war auch ein Eindruck, 
den bi« am gestrigen Abend versammelte Hörer 
schaft mit nach Hiause nahm. Wieviel Me Musik 
könnte dann durch die Kunst unseres Organisten 
der Gemeinde dargeboten werden! An der Geld 
frage darf das Problem doch nicht scheitern! Wenn 
unsere Geldinstitute, etwa dlie Eemeindesparkaffe 
und die Kirchspielssparkaslse, die ihre Ueberschüfse 
fast ausschließlich der Kirchengemeinde verdanken, 
durch Zeichnung größerer Beiträge, evtl. Gewäh 
rung von Darlehen zu mäßigem Zinsfuß, die Sachs 
stützen würden, so würde irie Bevölkerung für der 
artige Bewilligungen ein größeres Verständnis 
zeigen als für manche andere Aufwendung. 
ad. Bcsdorf, 19. Aug. Feuer. Am gestrigen 
Morgen war der angefahrene Kohlenbestand der 
Genossenschaftsmeierei im Lagerraum durch Selbst 
entzündung in Brand geraten. Durch rechtzeitiges 
Eingreifen der hiesigen Feuerwehr wurde das Feuer 
gelöscht und die Gefahr beseitigt. 
ad. Wacken, 19. Aug. Weitschüßen des Krieger- 
vereins. Am gestrigen Nachmittag trat der Krie 
gerverein Wacken zum 3. Prsisschießen an. Die Be 
teiligung war gut. Die ersten Preise errangen 1. 
A. Nuppnau, 2. E. Arp mit je 35 Ringen. Zugleich 
wurde an diesem Tage die neue Schießhalle einge 
weiht. Nun kann bei jeder Witterung der Schieß 
sport gepflegt werben. 
R. Nortorf, 20. Aug. Außcrordentl. General 
versammlung der Nortorfer Bank. Ueber die Ge 
schäftsführung des im Jahre 1890 gegründeten Nor- 
torfer Kreditvereins, welcher in späteren Jahren in 
die Nortorfer Bank umgewandelt wurde, gingen in 
letzter Zeit verschiedene Gerüchte um. Um hierüber 
eine Klarstellung zu geben, hatte der Aufsichtsrot 
für gestern abend eine außerordentliche Generalver 
sammlung einberufen. An der Versammlung nah 
men teil Verbandsdirektor Lohst und Verbandsrevi- 
sor Sternberg. Zum Schriftführer wurde Nissen 
bestimmt. Der Vorsitzende Lorenz Lorenzen eröff 
nete die Versammlung und erteilte dem Verbands- 
revifor Sternberg das Wort, welcher den Mitglte- 
dern erklärte, wie nach erfolgter Revision die etwas 
verschleierte Bilanz aufgestellt sei. In den Vor- 
stand neugewählt wurde Meder mit 77 Stimmen. 
Die langjährige Mitarbeiterin Fräul. Mickley ver 
bleibt solange, bis eine geeignete ältere männliche 
Kraft für den Posten gefunden ist. Der bisherige 
Aufsichtsrat wurde einstimmig wiedergewählt. Eine 
Satzungsänderung wurde dahingehend vorgenom 
men, daß der neue Vorstand auf 2 statt bisher 3 
Mitglieder festgesetzt wird. Hoffentlich wird unser 
altes Nortorfer Geldinstitut fein Vertrauen wieder 
gewinnen. 
R. Nortorf, 21. August. Unser Vaterländi. 
scher Frauenverein hatte gestern zu einem Som 
merfest nach dem so herrlich gelogenen Kiautşşchoņ 
bei Borgdors eingeladen. Gastwirt Harder hatte 
seine Garten- und Gastwirtslokalitäten bereitwil 
ligst zur Verfügung gestellt. Der Einladung wa 
ren viele Hundert Gäste aus Nortorf und klinge« 
gend gefolgt. Gatt es sein Scherflein dazu beizu« 
tragen, der allgemeinen Not zu steuern. Große 
Menigen an Kuchen und Brötchen waren gestiftet, 
die dort zu mäßigen Preisen wieder verkguft wur 
den, und alles wurde denn auch ausverkauft. 
Fräulein Glißmanu hatte mit einer Schar junger 
Mädchen zwei niMiche Einakter eingeüibt, die im 
Freien vorgeiführt würden und großen Beifall 
fanden. Die Tombola konnte sich flotten Zuspruchs 
erfreuen. Boi eintreiender Dunkelheit kamen von 
ferne her zwei Gondeln, denen in geschmaàollen 
Kostümen gehüllte Mädchen entstiegen und auf 
dem Rasen einen Lampionreigen vorführten, der 
so beifällig aufgenommen wurde, daß eine Wie 
derholung stattfinden mußte. Fräulein Mi-chsl- 
fett trug mit ihrem Mädchenchor einige mehrstim 
mige Lieder vor, die hübsch zu Gehör gebracht wur 
den. Den Schluß des Abends bildete eine von der 
Nortorfer Faltbootgilde vorgeführte Lainpion- 
korlo'ahrt auf dem Borgdorfer See, die begleitet. 
Die Uagrmg öes FsheSAüöe m Slk&ifl. 
Niebüll, 20. August. Der Mitgliederversamm 
lung am Sonntag ging am Sonnabend ein Mgrü- 
ßungswbend in der Aula der Frivdrich-Paulsen- 
Schnle voraus. Der Vorsitzende der Fehrsgilde, 
Landrot o. D. Dr. Wachs, Kiel, richtete an erster 
Stelle Dankesworte an alle, die dazu beigetragen, 
die Tagung in Niebüll zu ermöglichen. Es folgten 
Ausführungen über die Fehrsgilde, speziell über die 
Persönlichkeit des Dichters Johann Hinrich Fehrs, 
zu dessen Ehren die Gilde im Jahre 1916 gegründet 
wurde. Die Tagung fand diesmal im friesischen 
Sprachgebiet statt. Der Vorsitzende erklärte mit 
Bezug hierauf, daß die Fehrsgilde als Vertreterin 
der plattdeutschen Sprache nicht im Gegensatz stehe 
zur friesischen Muttersprache. Sie sehe in dem Frie- 
sentum einen wertvollen Bundesgenossen und will 
kommenen Mitkämpfer für ihre gute Sache und 
wünsche nicht ein Eindringen des Plattdeutschen in 
das friesische Sprachgebiet. 
Es folgte ein tiefgründiger Vortrag des Pa 
stors Tonnesen-Rendsburg über die Bedeutung des 
niederdeutschen Bauerntums für die deutsche Zu 
kunft. Drei entscheidende Elemente sind es, die 
alles Menschenleben mit unserm Volkstum innerlich 
verbinden. Zuerst das Hineinwachsen in ein sitt 
liches Verhältnis zur Arbeit. Die Arbeit hatte in 
den Zeiten unserer Väter und Großväter einen 
tiefen Sinn. Der Mensch wuchs durch die Arbeit in 
eine höhere Pflicht hinein. Das zweite Lebens 
gebiet war das Feiern. Es erwuchs aus der Llrbeit, 
war mit ihr innerlich verbunden. In dem Rhyth 
mus von Arbeitswille und Feiern lag das wunder 
bare Geheimnis der niederdeutschen Heimat. Das 
Dritte erwuchs im Elternhaus. Das elterliche Heim 
war eine wunderbare Stätte der Erziehung. Die 
Schule hatte eine andere Bedeutung, sie war nicht 
die Stätte der Erziehung. Alles dies ist anders 
geworden. Familie und Art des Volkstums in sei 
ner äußeren Prägung ist nicht wieder zu erkennen. 
Eine unfaßbare Unruhe, ein Suchen hat unser Volk 
ergriffen. Das innerliche Verbundensein, dieser 
Rhythmus von Arbeit nnd Feiern ist durchschnitten. 
Arbeit und Feiern haben nicht das geringste mitein 
ander zu tun. Llrbeit ist nur Zweck, das Feiern eine 
Entspannung im Genießen. Ruhe und Gelassen 
heit, wie sie dem alten Volksttim eigen waren, fehlen 
dem heutigen Menschen des Augenblicks. Dieser 
Rekordmensch ist eine der allergrößten Gefahren, in 
denen wir heute stehen. Heim, Familie, Sitten und 
Glauben hat er verloren, er hat nichts als den 
^lugenblick, ständig auf der Suche nach einem Sinn 
des Lebens. Die alte Lebensform zerbrach von 
außen her. Nach dem Krieg faßte das moderne 
Wirtschaftsleben Fuß. Was soll nun werden? Haben 
wir aus unserm Volkstum heraus noch die Mög- 
lichkeit, die Kraft, eine Besserung zu erreichen. Viel 
leicht, wenn wir dem Gedanken nachgeben, daß 
unser Dorf nicht eine zurückgebliebene Stadt ist, 
und in dem Bewußtsein wieder stolz werdet: darauf. 
Damit kommen wir dem Leben, Gott wieder nahe, 
vermögen ihm einen tieferen Sinn zu gebeit, hin- 
führend zu einer ganz neuen Lebensform, stark ge 
nug, um in und um unser Heim herum, auf den 
Dörfern eine neue Saat aufbrechen zu lassen, aus 
der neues Leben herauswäW. 
Das Programm fand eine Bereicherung durch 
plattdeutsche Vorlesungen von' Pastor Dittmann- 
Neugalmsbüll und den Vortrag von Klaus-Groth- 
Liedern von Studienrat Walter. Die Lieder wurden 
vom Gemischttn Chor in Niebüll unter der Leitung 
von Obersekretär Klatt recht wirkungsvoll zu Gehör 
gebracht. 
Aus der Mitgliederversammlung am Sonntag 
sei folgendes hervorgehoben: Es nahmen 20 Mit 
glieder an der von dem Vorsitzenden, Landrat a. D. 
Dr. Wachs, geleiteten Versammlung teil. In dem 
Bericht des Vorstandes wurde unterstrichen, daß, wie 
der Vorsitzende einleitend bemerkte, das verflossene 
ein Jahr des Kampfes um die Erhialtung des Mit. 
gliederbestandes gewesen sei, ein Jahr des Stillstan 
des; aber der Tiefstand sei überwunden. Die Mit 
gliederzahl stieg tun zwei auf 884. Beabsichtigt sei, 
auch in den nächsten zwei Jahren Gfldegoben an die 
Mitglieder zn verteilen, unter denen sich wertvolle 
Arbeiten (Balladen) von Albert Mähl befinden 
werden. Durch den Ankauf dieser Arbeiten sei auch 
ein lebender Dichter berücksichtigt worden. Zu den 
Zlufgaben der nächsten Zeit gehöre die Herausgabe 
eines plattdeutschen Gesangbuches. Das Vermögen 
der Fehrsgilde beträgt 1250 RM., von denen 450 
RRt. für die Herausgabe des Gesangbuches benö 
tigt werden. Geklagt wurde über die säumiige Be 
zahlung der Mitgliederbeiträge. 1200 RM. seien 
aus dem verflossenen Jahr rückständig, einige hun 
dert Mark noch aus dem Jahre zuvor. — Ein Aus 
flug zu Wagen in die Umgegend und am Abend 
eine plattdeutsche Theaterauffühnlng gestaltete di« 
Tagung anregend und interessant.
	        
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