Kritiken .
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und akademischen Organe in Deutschland schwiegen . Ein beredtes Schweigen . So imponierend das ganze Unternehmen auftrat : man traute ihm nicht ganz und wusste schliesslich auch nichts Rechtes zu sagen . O . Kibbeck , der das Buch geradezu mit erlebt hatte und das schöne Zusammenspiel senschaftlicher und künstlerischer Vorzüge mit feinem ständnis genoss , ergriff wohl die Gelegenheit , in seinen lesungen ( vor Allem in denen über Theokrit ) oder im Gespräch auf diese 'capitale Leistung' hinzuweisen1 : öffentlich das Wort zu nehmen , scheute er sich gerade als Pathe des Buches . Voller klang das Echo aus dem Ausland — - aber doch nur das Echo , denn Eignes hatte auch von diesen Kritikern mand zu sagen2 . Dagegen rührte ein Brief Nietzsches an die heikelsten ethisch - psychologischen Probleme des ersten Buches . Rohde beschäftigte besonders eine Bemerkung über die Ausgänge innigerer Erotik vom ipMç - xiSr / . i ; 3 . »Ganz sehn schreibt er »hatte auch ich diesen Zusammenhang nicht , aber gemeint , diese Wendung zum Empfindungsvolleren habe sich auf dem Gebiet der Knaben - und der Weiberliebe allel vollzogen , und ich könne daher die erstere ( mit greiflicher Scheu ) ganz liegen lassen« [ N . 2 VII 76 ] .
1 Vgl . auch Ribbeck's Brief Nr . 152 S . 251 ( Rohde's Arbeit unter der Masse litterargeschichtlicher Schreibereien „ wie ein . lebendiger Mensch unter blutlosen Schatten . " )
2 Ygl . das Recensionenverzeichnis bei Schöll in der zweiten lage S . XI .
3 Wie vornehm N . das Problem auft'asste , zeigen manche spätere Aeusserungen , z . B . Aphor . 170 der 'Morgenröthe' = Werke IV S . 167 .