Full text: Erwin Rohde

Stellung zu den Collegen . 
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stand — die »Taktik einer gewissen zähen Schläfrigkeit« — zweier nahe betheiligter Fachgenossen zu überwinden galt1 . Diese Debatten waren für Rohde zugleich ein Mittel zur Scheidung der Geister . Adolf Schmidt blieb ihm trotz seiner gelegentlich bespöttelten »epideiktischen« Lehrthätigkeit2 doch ein sympathischer Mensch und »höchst ehrenwerther Charakter , ein honnête homme « . Gegen den nächsten Fachgenossen , Mo - Riz Schmidt , bildete sich eine chronische Verstimmung heraus , die durch Schmidt's diplomatische Winkelzüge mit Rücksicht auf die schwebende Sache gelegentlich verschärft wurde3 . Im übrigen erkannte Rohde dankbar an , dass in der Jenen - ser Luft »trotz einzelner Uebellaunigkeit der Alten« gespannte Verhältnisse keinen Bestand hätten . Dauerhafte , vertrauliche Beziehungen wollten sich freilich in den wenigen Semestern auch nicht anspinnen . Noch kurz vor dem Abschiede gesteht Rohde , dass er das »trotz einer nach aussen kaum irgendwie hinausschauenden Einsiedlernatur« doch schmerzlich vermisse ; er sei »eben aller intimen Aeusserung so entwöhnt« , dass sie ihm kaum noch einmal überhaupt gelingen wolle4 . Am näch - 
1 »Nun war es ergötzlich zu sehen , wie Moriz und Adolf Schmidt sich wie die Aale wanden : sie wollen ( namentlich Moriz ) überhaupt gar keine Wiederbesetzung ; wendet man ihnen nun ein : Wenn wir jetzt nicht zugreifen , sondern erklären ( wie sie vorschlugen ) , die Sache sei nicht eilig , so entgingen uns die 4000 ( vom Landtag bewilligten ) Mark überhaupt , so durften sie nun nicht offen sagen : das wünschen wir ja gerade , sondern machten theils formale Schwierigkeiten , theils warfen sie X . als ganz ungenügend . Mein Gegenargument blieb , dass man die Stelle besetzen müsse , die dargebotene Hand der Regierung nicht ausschlagen solle . . . « [ R . 8 IV 78 ] . 
2 »A . Schm . liest bisweilen 'Zeitalter des Perikles' , aber mehr für 'Jedermann aus dem Volke' , als in eigentlich wissenschaftlich - schem Sinne . « — Imponirt hat ihm freilich auch der Schriftsteller A . Schmidt nicht . »Was sagen Sie denn zu A . Schmidts schauerlich langer Brühe zum Stesimbrotus ? Diese ! Uebrigens gestehe ich , dass ich an Unächtheit des Stesimbroteischen Buches nie habe glauben können« [ Rü . 27 XII 77 ] . 
3 »Mor . Schmidt liest diesen Sommer Griechische Staatsalterthümer ; aber das ist nur seine alte Taktik : um die These durchzusetzen , dass er allein genüge , die Philologie zu vertreten , liest er allemal das , was just unbesetzt ist — wie , dies mögen die Unglücklichen wissen , die drauf hineinfallen . « 
4 »Das ist kein gesunder Zustand , er ist gebraut aus Misstrauen in sich selbst und in die Fähigkeit auf Andre einzugehen , die um so völ -
	        
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