Full text: Erwin Rohde

Egoismus und Altruismus . 
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sollten . Es mag ja sein , dass man auch das Gute lich thut wegen der mit seiner Ausübung verbundenen L u s t - empfindung : aber wenn es einem Menschen Lust verursacht , in einem Conñicte seiner egoistischen und anti - egoistischen Triebe die erstem aufzuopfern , so ist diese seltsame That - sache doch mit den Regungen seiner egoistischen Lust - empñndung unmöglich auf Eine Linie zu stellen , sondern diesen allerdings , wie alle Welt thut , entgegenzustellen , ihnen , dem Werthe nach , überzuordnen und allerdings als das Gute zu verehren , von dem man ja wohl nach Ree überhaupt nicht reden dürfte . . . « Dabei schätze er so innig wie möglich an dem Buche den »edelsten Trieb des freien Menschen , zu beschränkter Wahrheit« , finde auch in vielen Punkten das webe der religiösen und künstlerischen Illusionen ganz leuchtend zerlöst — aber dennoch bezweifle er , ob nun diese Einsichten die letzten und einzig richtigen seien . »Der Chemiker kann mir das herrlichste Bild nur als eine Mischung ganz genau bestimmbarer , vielleicht recht übel riechender chemischer Stoffe darstellen , hat dann auch in seiner Weise Recht — aber wenn er mir damit den künstlerischen Werth und Sinn des aus solchen Stoffen zusammengesetzten Ganzen des mäldes wegdisputirt zu haben meint , so irrt er sich doch . « Aber er finde bei Alledem in so vielen Gedanken den alten »durch keine Réesche Grübelei anzufressenden Nietzsche« wieder , dass er ihm tausendmal in alter Liebe und derung durch die Gänge solcher Betrachtungen gefolgt sei ; namentlich leuchte ihm ein , was von den Griechen gesagt werde , »wie wahre Tief blicke in das Innerste dieser seltsamen Menschen« . 
Auf den ersten Blick glaubte Rohde sich des Ereundes Umwandlung offenbar nur durch fremden Einfluss erklären zu können1 . Aber er begann sie doch schon damals , als schlag gegen die Ueberspannung des »künstlerisch - stischen Denkens« , aus Nietzsche's eignem Wesen zu ver - stehn ; und bei dieser Auffassung ist er geblieben und hat 
1 Vgl . dagegen Elisabeth Förster - N . II S . '271 ff . ; Henri Lichtenberger , Die Philosophie Fr . N . 's 101 und Nietzsche selbst , Vorrede zur gie der Moral , Werke VII 291 . 
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