Full text: Erwin Rohde

Fachgenossen . Flach . A . v . Gutschmid . 
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Grösse des Problems nicht gewachsen ' , und hatte den Glauben an manche viel gepriesenen Ergebnisse Gutschmid's ( wie die über die makedonische Anagraphe oder Timagenes als Quelle des Trogus ) völlig verloren2 . Auch bei der Erörterung tischer und litterarisch - philosophischer Fragen platzten die Geister hart aufeinander3 . »Man hat« klagt Rohde 1882 halb engster Gelehrsamkeitsinteressen . . . nichts von ihm ; er hat keine Theilnahme an Allem , was das Leben erträglich macht , keine Spontaneität der Empfindung . keinen Blick für die Tiefe und Schönheit der Welt« . Trotzdem zogen sich die beiden ausgezeichneten Forscher immer wieder gegenseitig an , bis ein drittes Element störend dazwischen trat . 
Als nächsten Fachgenossen hatte Rohde Hans Flach angetroffen , den geräuschvollen Verfasser des platten Buches über die griechische Lyrik4 . Flach glaubte sich in seiner rière' als Universitätslehrer unbillig zurückgedrängt ; er besass aber Berechnung und Selbstbeherrschung genug , um den Versuch zu machen , sich mit der ihm eignen »Adhärenz« an den legenen neuen Collegen anzuschliessen . Bekanntlich hat sich A . v . Gutschmid , der oft an unrechter Stelle vertraute und misstraute , von diesem akademischen enfant terrible bis zum 
1 Mit hellerem Blick schien ihm »der treffliche Ed . Mkyek« , gegen den Gutschmid und Socin keine allzufreundliche Stellung einnahmen , solchen Problemen gegenüber zu treten ; auch gegen Riihl äusserte R . lich [ 12 " VII 85 ] seine Sympathie für diesen »soliden Arbeiter« . Es spricht ein gutes Stück persönlicher Gereiztheit mit , wenn Rohde später eine ganz andre Tonart anschlägt ; freüich begann er schon bei Meyer's satz über Lykurg »misstrauisch zu werden« . 
2 An dem Aufsatz über die macedonische Anagraphe ( jetzt in grösserm Zusammenhange in A . v . Gutschmid's kleinen Schriften IV S . 32 ff . ) hatte Rohde zu grosse »Willkürlichkeit« auszusetzen ; das gebnis hielt er für unbrauchbar . Auch die Ausführungen über nes als Quelle des Trogus schienen ihm »eine blosse Seifenblase« [ Rü . 12 VII 85 ] . Demgegenüber ist es sehr bemerkenswert ! ! , dass Rohde terarische Polemik nach Kräften vermieden hat ; doch zielen manche seiner chronologischen Untersuchungen über die Köpfe der unmittelbaren Gegner weg auch auf deu Tübinger Kollegen , s . unten S . 1291 . Ueber den Versuch Wachsmtjths , die Timagenes - Hypothese zu stützen ( Rh . Mus . XL VI 465 ) , hat sich R . nicht ausgesprochen . 
3 Vgl . unten S . 1212 . 
4 Es ist bedauerlich genug , dass einer der neusten Propheten im Stil des Rembrandtdeutschen seine Inspirationen über die Griechen zum guten Theil aus diesem Machwerk bezogen hat und Flach neben Rohde rangirt .
	        
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