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Briefwechsel .
zurückberufene Philosoph E . Pelei derer , ein alter Bekannter aus Kiel , und vor Allem Christoph Sigwart , mit dessen Familie sich engere , alle Wechselfälle überdauernde Beziehungen anspannen1 . Eine persönliche Freundschaft , wie die mit beck und dem Baseler Kreise , verband Bolide aber mit keinem seiner Tübinger Amtsgenossen . Rohde hat das schmerzlich genug empfunden , ohne dass er jemand einen Vorwurf daraus gemacht hätte . Er war sich bewusst , dass er selbst zu dend und hart« im Verkehr geworden sei , als dass man ihm recht nahe kommen möchte . »Ich fühle es tief und oft : durch diese Art habe ich mich um den eigentlichen Beiz des Lebens gebracht . Es wäre freilich vieles anders , wenn irgend ein Mensch in der Nähe wäre , der es mit mir wagen wollte und mir ein wenig Feuer von seinem Feuer mittheilte« [ N . 8 IV 81 ] . Einen solchen Menschen hat er in diesen Jahren zu gewinnen nicht das Glück gehabt . Um so eifriger pflegte er den Briefwechsel mit den auswärtigen Freunden , vor Allem mit Bibbeck und Bühl , denen er sich am ungezwungensten giebt , als Gelehrter wie als Mensch , vielfach mit ganz lichem Humor . Nicht ganz so zahlreich , aber mehr in die Tiefe gewandt , sind die Briefe an Overbeck ; die gemeinsame Theilnahme um den erkrankten und 1879 aus dem Amte denen Freund klingt wie ein cantus firmus durch alle andern Stimmen ernst hindurch . Und in der »scarsezza d'uomini« der ersten Tübinger Jahre hat Bohde auch mit johannes Volkelt2 ,
1 Sigw'AKTs gedenkt er wiederholt in seinen Briefen und wünschte in kritischer Zeit lebhaft , »dass Sigwart nicht so thöricht sein möge , dies Philosopheneldorado gegen die unbekannten Zustände in Berlin aufzugeben« [ R . 23 XI 1881 ] . Vgl . auch S . 158 .
2 Einige für den Schreiber bezeichnende Aeusserungen des ersten Briefes [ V . 1 I 79 ] mögen hier Platz finden : »Ich wünsche aber recht ernstlich , von Ihnen einmal zu hören : Sie dürfen aus meiner wunderlich zurückhaltenden und in Mitteilungen kargen Art im persönlichen gange nicht auf die Gesinnungen schliessen , die ich im Innern für Sie hege . Niemand kann über seinen Schatten springen , und mir hängt ein ganz absonderlicher Schatten an , ein eigenthümliches Gemisch von schenscheu und Misstrauen in mir selbst , das mich stets mit der Furcht lähmt , zudringlich zu werden , und sich endlich mit einem fatalen Hang , nur in der Phantasie zu leben , so eng verbündet hat , dass ich nun zwar die umgebende Menschheit in der Phantasie sehr deutlich und mit vielem Antheil autfasse , oft aber nach Aussen auch nur einen Finger zu rühren