Full text: Erwin Rohde

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Also sprach Zarathustra . 
Nietzsche empfand es in ruhigen Stunden selbst , wie schwer es dem Freund sein musste , bei seinen Wandlungen ihm wie in alten Zeiten zur Seite zu bleiben . Er wisse bestimmt , schreibt er einmal , dass das Bild , das seine Bücher jetzt von ihm gäben , nicht das Bild sei was Rohde von ihm im Herzen trage . Er habe wirklich ( wie Rohde gemeint hatte ) eine 'zweite Natur'1 ; „ aber " — so fügt er beschwichtigend hinzu — „ nicht um die erste zu vernichten , sondern um sie zu ertragen . An meiner 'ersten Natur' wäre ich längst zu Grunde gegangen " . 
Als Nietzsche dies Bekenntnis schrieb , reiften eben die ersten Theile des 'Zarathustra' heran . Rohde glaubte in ihnen die »beiden Naturen« des Freundes sich versöhnen und seine Bahn zu ihrer ursprünglichen Richtung zurückkehren zu sehn . Aus der Proteusgestalt des persischen Weisen blickten ihn oft genug die trauten Züge des jungen Nietzsche an ; und im Stillen hielt er damals für das wiederkehrende Roth der Gesundheit , was Andern später als Vorzeichen der Erkrankung erschien . »Nietzsche's Buch habe ich grösstentheils mit wahrer Bewunderung gelesen . Ich finde auch die Form nicht nur geschickt und geistreich gehandhabt . . . , sondern überhaupt sehr angebracht : so kann er doch seine Gedanken und Wal - lungen noch aus sich heraussetzen , sie nehmen mehr den Charakter eines Kunstwerks an , den Ausdruck einer Stimmung , die man nicht eigentlich und nothwendig hat , dern nur durch Vermittlung der Phantasie annimmt , wie eben der Dichter die Stimmung und Art seiner Charaktere als deren Stimmung , nicht als seine — wiewohl von seinem eignen Herzblut darin ist . Und das betrachte ich für ihn als ein Glück , als einen Fortschritt . Denn ich habe längst das Gefühl , als ob N . wesentlich litte . . an einer Fülle von sie , die nicht in eigentliche Dichtung sich niederschlagen will und ihm nun im Innern Fieber und Noth macht . « [ O . 9 XII 83 ] . Aehnlich , nur eingehender und wärmer äusserte 
1 Der Ausdruck ist hier sichtlich in einem andern Sinne genommen , als beispielsweise in dem Aphorismus der 'Morgenröthe' No . 455 ( = Werke 
IV S . 308 ) , entsprechend den Aeusserungen Rohde's über die sich lösenden ( und im 'Zarathustra' sich versöhnenden ) Gegensätze in sche's Wesen und Schriftstellerei .
	        
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