120 Wanderungen . Erstarkung des politischen Sinnes .
finden , bei den Dilettantenaufführungen der 'Sonntagsgesell - schaft' mitzuwirken ; so hat der stattliche brünette Mann in einem lebenden Bilde einmal den Wallenstein gestellt . Den Hauptvorzug von Tübingen erblickte er freilich darin , »dass man draussen so schnell zu ganz herrlichen Dingen gelangen kann« . Der leidenschaftliche Naturfreund Hess die stolzen Linien der schwäbischen Alb nicht umsonst herüberwinken ; auch die bescheidne nähere Umgebung des Städtchens , in die doch eben jener »unvergleichliche Hintergrund« , sich man - nichfach verschränkend , überall hineinblickt , lernte er in ihrer Eigenart schätzen , zumal ihn auf seinen einsamen Gängen bald sein Erstgebornes begleiten konnte , das er einmal , vom liegen überrascht , »wie der Rottenburger Christophorus« nach Hause trug . Auch sonst fesselte den scharfen und im tiefsten Grunde vorurteilslosen Beobachter die geschlossne Eigenart des Landes und der Leute ; und die »sonderbaren Schwaben« ( oder »Schwo - ben« , wie R . beharrlich schreibt ) , die eben doch den Muth hatten , sich selbst durchzusetzen , gewannen seiner gerade hierin gleichgestimmten Natur Zuneigung und Achtung ab .
Erst in dieser neuen Umgebung ist in Rohde , der mit seiner ganzen Persönlichkeit noch in einer rein ästhetischen Bildung wurzelt , der politische Sinn recht erwacht ; das uns vorliegende Material ist reich genug , um diesen Schluss zu gestatten , mag er auch zur Hälfte ein Schluss ex silentio sein . Am Ende der siebenziger Jahre schwankten seine mungen und Meinungen noch erheblich ; das Reich mit seinem »schwarz - weissen Pharisäerthum« und der »Bismarckseben talität« will ihm oft , wie in alten Zeiten , gründlich pathisch scheinen1 . Ereilich er war sich bewusst , politiker« zu sein ; es fehle ihm , schreibt er einmal , die fessionelle Kenntnis der Vorbedingungen aller Politik , und so werde er mit seiner Sympathie bald da - , bald dorthin
alten Griechenland ; am 21 . Februar 1882 : über einige Vorstellungen der alten Hellenen in Betreff der Fortdauer des Menschen nach dem Tode ; am 25 . Nov . 1884 : über die griechischen Lyriker ( mit besondrer sichtigung Pindar's ) ; in demselben Jahre war Flach's Geschichte der chischen Lyrik beendet , in der Pindar — bei Seite gelassen ist .
1 Zumal »dies Volk . . seine dummstolze Art , die Dinge der Welt zu betrachten , gar in's Alterthum hinüberführt« [ Rü . 7 XII 78 ] .