Full text: Erwin Rohde

122 Politik . Rechts - und Staatsentwicklung . 
Alten , ihre Akme erreicht , um sich bis zum letzten Tage auf zu behaupten . Und da Rohde nur trieb und pflegte , was in seinem eignen Leben Wurzel hatte , sind sie auch der Arbeit des Gelehrten unmittelbar zu Gute gekommen . In Jena wies er den Gedanken an die Uebernahme einer stelle , wo er über das antike Staatswesen und Verwandtes zu lesen gehabt hätte , weit von sich ; in Heidelberg grifi' er nach der gleichen Aufgabe mit beiden Händen . Einige Abschnitte seines letzten Werkes lassen es ahnen , wie geistvoll er Fragen auch der alten Rechts - und Staatsentwicklung zú behandeln stand . Freilich , das technisch Politische konnte ihn dauernd nicht erwärmen , insbesondre ging ihm die persönliche ligung an der Wahlagitation und Parteipropaganda wider die Natur . Aber ohne viel Aufhebens davon zu machen , nährte er in sich hinfort »ein unveränderlich starkes patriotisches Gefühl« — auch hierin immer mehr in einen Gegensatz drängt zu jenem einsamen Manne , der seinem Herzen immer noch am allernächsten stand . 
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So hat Rohde in dem schlichten Hause an der strasse in Tübingen zwischen dem Abhang des Oesterbergs und den hohen grünen Wipfeln des botanischen Gartens , an der Seite seiner anmuthigen Frau und unter den lieblich heran - * • wachsenden Kindern , wohl die gesundesten und glücklichsten Jahre seines Lebens verlebt , bis in den Beginn des alters hinein ; nur in der Ueberspannung der ersten Semester werden die alten Klagen laut über die »fatale Schlaflosigkeit und Nervosität« . Besonders , liebenswürdig offenbart sich in den Briefen aus dieser Zeit der edle und weiche , wahrhaft humane Kern seiner nach aussen so verschlossnen und rauhen Persönlichkeit . Immer wieder zieht es den Sohn zur Mutter , die in der Nähe der Schwestern in Hamburg geblieben war ; am Kleinsten theilnehmend begleitet er auch aus der Ferne ihr gesegnetes Leben bis zu seinem jähen Schluss 1 . Mit der 
1 »Der alte Hallier ist ja nun auch gestorben . . . Für meine Mutter ist das wieder ein Verlust ; ihrer Jugendgenossen werden immer weniger und sind schon sehr wenige« [ R . 8 II 1882 ] . - >Meine alte Mutter , die
	        
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