Das Familienleben .
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keit und dem Humor eines echten Kinderfreundes berichtet er von den Ereignissen in seiner Familie1 und entwirft mal Bibbeck und Overbeck , die Pathen seines Sölmchens waren , ergötzliche Porträts von den kleinen Menschenkindern , durch deren Antlitz nun »die menschliche Seele durchzuscheinen beginne« . Den Frieden dieser jungen Seelen hütete er süchtig , und pädagogische Missgriffe , wie er sie schon im mentarunterricht zu beobachten meinte , konnten ihn schwer verstimmen2 . Nie fehlt in seinen Briefen ein liebevolles
noch am 6 . Mai ihren 70 . Geburtstag besonders heiter und hoffnungsvoll im Kreise der Ihrigen . . . gefeiert hatte , ist am 9 . Mai [ 1882 ] ganz plötzlich gestorben . Sie war um Weihnachten sterbenskrank gewesen , hatte sich dann aber , bei ihrem kräftigen Körper , wunderbar erholt : sie schrieb mir noch am 8 . Mai ganz zuversichtlich von unserm Wiedersehn im Herbst , von den Kindern u . s . w . Den Brief fand ich , ein wehmüthi - ges Denkzeichen von der Grenze zweier Daseinsformen , als ich von der schleunigst unternommenen Fahrt zu ihrem Begräbnis zurückkam , vor . Nun ist mir Hamburg im Wesentlichen verwaist , die Vergangenheit wie abgeschnitten und vorbei . . . « [ R . 1 VIII 82 , ähnlich 0 . ] .
1 Vgl . V . und R . 22 XII 1878 . Man kann es schon in Tübingen aushalten , wenn man sich auf seine Klause und auf seine kleine Familie beschränkt . . . Meinem Töchterchen geht es zum Glück bisher völlig erwünscht ; sie kann freilich noch nichts , als kriechen und krähen ( und eben kriecht und kräht sie in meiner Stube herum ) , aber sie ist fidel und gesund« [ 2 XII 1879 ] . »Mein kleines Mädchen wächst voll sundheit heran und voll jener , aus sich selbst sich erzeugenden , von aussen fast nichts bedürfenden Fröhlichkeit , die mir so ganz fehlt . Ich denke und sage tausendmal : Gott schütze sie ! Denn Gesundheit und Lebenslust sind wahrhaftig so hohe und zarte Gaben , dass man für ihre Erhaltung sich irgend eine übermenschliche schützende Macht erfinden möchte , um sie dieser anzubefehlen ! « [ N . 8 IV 81 , ähnlich R . 20 VII 1881 ] , »Uns geht es ganz correct , namentlich auch dem sogenannten „ Brüderle FranzErwinOttoRohde " , wie ihn seine Schwester in voller Titulatur ànvsuoxt zu nennen pflegt« [ R . 8 II 1882 ] . »Du siehst ich bin ein rechter milienpapa geworden . In der That , meine Kinder sind mein und meiner kleinen Frau alleiniges Glück auf der Welt , und ich weiss kein höheres« [ N . 22 XII 85 ] . »Was wollte man eigentlich noch gross auf dieser Welt , wenn nicht die Kinder da wären , ihre Gegenwart und ihre Zukunft ! « [ Rü . VII 85 ] .
2 »Mein kleines Töchting geht . . . in ihre erst« Schule . . . , wo sie etwas nähen , sonst aber nur 'n bäten' singen und psalmodiren und den lieben Heiland aus den crudesten Phantasieen der alten Juden intim nen lernt . Heute brachte sie die schöne Geschichte nach Hause , wie auf eine Stadt , weil 'ein Böser' darin wohnte , der liebe Heiland von oben lauter Feuer schmiss , ein 'Lieber' aber mit seiner Familie von den lieben Engeln hinausgeführt wurde , worauf aber eine Frau , die sich guckte , vom lieben Heiland zur 'Salz - eule' verwandelt wurde . Morgen