Full text: Erwin Rohde

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Ferienreisen . Bayreuth . Italien . 
am tiefsten empfunden habe 1 . Wie er sich hier willig in den Bannkreis Wagner's ziehen Hess , so pilgerte er , wenn die Zeit gekommen war »nach Pflicht , Neigung und auch ein wenig nach Beruf« getreulich nach Bayreuth ; er hat mehr als einmal »alle drei Serien der Aufführungen mitgemacht« und die Gelegenheit zu dieser künstlerischen xaôapacç ohne genden Grund nie vorübergehn lassen , so sehr ihm »der Um - trieb und die nächtliche Unruhe in dem überfüllten Neste« wider der Strich ging2 . Mit stets gleicher Spannung und Freude rüstete er sich alle paar Jahre zur Fahrt über die Alpen , da ihm ja in Tübingen »Italien vor der Thüre lag . « In den Herbstferien 1879 streifte er in Norditalien bis Florenz , um freilich »wegen allzutoller Hitze im schnellsten Eilzug bis Rostock hinaufzusausen« [ R . 2 XII 79 ] ; als benden Eindruck nahm er die ( wohl von Manchen getheilte ) Empfindung mit , dass gerade diese kleinen Orte — Vicenza Padua Ferrara Mantua Parma — an intimem Reiz ihres chen nicht haben [ R . 5 IX 81 ] . Noch ergiebiger war eine dreiwöchige Frühjahrsfahrt 1884 . »Ich habe nie eine so ganz geglückte Reise gemacht , wie diesmal ; das ganze plagenvolle Semester stellt mir schon die Erinnerung an die wundervollen Tage wie ein tröstlicher Hintergrund da , auf den sich immer meine Blicke zurückwenden . So fortgesetzt in herrlichem Frühlingswetter , ohne Hitze , Staub und italiänisches ziefer durch diese lebendigen Reste eines kräftigeren und reicheren Aevum zu schlendern , in mühelosem Aufnehmen des Schönen und Anmuthigen — das wären meine Inseln der Seligen , wie ich sie mir wünschte . Das ist also ein grosser Vorzug unsres Nestes , dass man gleich da drüben ist . « [ R . 4 VII 84 ] . Wenn er von solchen Reisen stets »eine leise fortbohrende Sehnsucht nach jenen Zuständen einer hellen und stillsten yaXy¡V7 ] der Seele« zurückbringt und sich jen - 
1 Zuerst 1875 . »Gewiss giebt es in der Welt keine andre Musik von solcher Notwendigkeit ; meine Seele sang unmittelbar mit in diesem tönenden Meeresrauschen der stürmenden Empfindung . Da ist Nichts von künstlich - künstlerischer Willkür . . . « Der Tristan blieb sein ling , neben den Meistersingern . 
2 Auf die Grenze , wo er »nicht mehr mitthun konnte« , haben wir oben S . 118 hingewiesen .
	        
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