Full text: Erwin Rohde

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VIH . 
Der wissenschaftliche Ertrag der Tübinger Jahre . 
In der idyllischen Ruhe des »Universitätsdorfes« , wo es ohne Arbeit »gar nicht auszuhalten war« , gewann Roh de eine Herrschaft über den litterarischen Sto ft' , die mit der breitesten , auch die Winkel und Grenzgebiete umspannenden Ausdehnung eine ans Mikroskopische grenzende Feinheit verband . »Es ist mir selbst unheimlich , wie gelehrt ich werde« äusserte er auf eine Bemerkung Ribbeck's über eine seiner litterarhisfo - rischen Arbeiten — 'gelehrt' mit Anführungszeichen gesprochen . Aber auch neue Ergebnisse und Anschauungen wuchsen ihm in fast bedrängender Fülle zu , so dass er ihrer kaum Herr zu werden vermochte . Jahr um Jahr klagt er , dass ihm sein Colleg alle Musse und Stimmung verschlinge , und spielt mit dem Gedanken an einen längern Urlaub , ohne damit , bei seinem schlichten Pflichtbewusstsein , je Ernst zu machen . dem sind denn die Amtspflichten auch wieder in der Menge hereingebrochen , sodass ich kaum zu irgend etwas ausserdem Zeit habe . Und habe doch so viele Pläne ! Und darunter sehr lockende , aber die ohne zusammenhängende Arbeit nicht zu bewältigen sind . Höchstens langt es zu zelnem Stückwerk . « [ R . 23 XII 1880 ] 1 . 
1 Ebenso kurz vorher an Rühl 25 IV 80 : »Ich für meine Person wiisste gleich zwei bis drei grosse und schöne Felder , die ich bearbeiten möchte : aber die Zeit ! und namentlich die Concentration der Gedanken . . . Das Anerbieten des Herrn Simion . . . hab ich mit Dank ablehnen sen : eine Geschichte der griechischen Prosa ist . . . haupt gar nicht zu schreiben möglich , solange es keine Geschichte der griechischen Sprache giebt . . . Hoffentlich lässt er sich nicht mit einem der neusten Windmacher ein , die freilich Alles können . « Noch viel weniger schien es ihm möglich , eine Geschichte der griechischen L i t - teratur zu schreiben ( wozu ihn der Buchhändler W . Hkrtz veranlassen wollte ) .
	        
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