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Homer . Spätgriechische Litteratur .
werden freilich gründlich ad absurdum geführt1 . Denn rend Sengebusch und seine Anhänger die verschiedenen tiken Ansätze über die Zeit und Heimath Homer's benutzt hatten , um ihren Phantasien über Gang und Entwicklung der angeblichen epischen Volkspoesie einen scheinbaren Halt in der Ueberlieferung zu geben , zeigte Rohde mit nie versagendem Scharfsinn in den meisten Fällen ganz evident , wie spät und mit wie billigen Mitteln diese vermeintlich uralte Ueberliefe - rung zusammengeklittert sei . Dabei ist ihm diese Ueberliefe - rung selbst wieder ein merkwürdiges Stück alter Dichtung und Historie . Er hat sie schichtweise in langen Jahren ( schon 1868 beschäftigten ihn diese Probleme ) abgetragen und nommen ( s . oben S . 24 . 46 ) . Zu der hastig zugreifenden Art älterer Kritiker verhält sich sein Verfahren etwa , wie eine unter Dörpfeld's Leitung durchgeführte methodische Aufdek - kung versunkener Städtereste zu den ersten dilettantischen Ausgrabungen des schätzesuchenden Schliemann .
Diese und verwandte Arbeiten erledigen wichtige V o r - fragen der antiken Litteraturgeschichte . Bald aber freute sich R . »die chronologische Plempe endgültig einstecken und sich erfreulicheren Aufgaben zuwenden zu können« [ R . 23 XII 1880 ] . Vor allem schickte er sich an , für sein Hauptcolleg die zweite Hälfte der griechischen Litteratur neu zu gestalten ; »ich hatte früher die ganze Litteraturgeschichte in Einem fünfstündigen Colleg abgemacht , wobei die nachclassische Zeit freilich ziemlich zu kurz kam . Die Arbeit ist gross , aber auch der Gewinn für eigne Orientirung und Ganzwerdung in litteris« [ R . Sommer 1882 ] . Aus dieser erneuten fung in die spätere griechische Litteratur ist eine stattliche Reihe von ergebnisreichen Einzeluntersuchungen erwachsen , die , meist im Anschluss oder Gegensatz zu neueren lichungen entstanden , in Recensionen niedergelegt wurden . Die bedeutendste dieser Arbeiten ist wohl die Besprechung von Bergk's 'Fünf Abhandlungen' in den Göttingischen gel . Anzeigen 1884 ( 1 S . 9 ff . = Kl . Sehr . I 309 ) , in der R . , ohne
1 Gegen Kirchhoffs Arbeiten zu Homer und Herodot spricht sich Rohde in seinen Briefen wiederholt ( z . B . Rü . 25 VI 86 ) mit grosser Schärfe aus . Seine Einwände und Urtheile vorzulegen wird nicht mehr nöthig sein .