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IX .
Abschied you Tübingen . Leipzig . Homerstiidien .
Je länger Rohde in der stillen Neckarstadt lebte und lehrte , desto tiefer empfand er die Tüchtigkeit und Gesundheit der Umgebung , in die er hineingestellt war . Auch das Verhältnis zur Hörerschaft wurde enger und herzlicher ; er sah gern seine Studenten bei zwangloser Geselligkeit in seinem Hause und versammelte in den achtziger Jahren „ sogar eine Anzahl junger Philologen an regelmässigen Abenden zur Lektüre klassischer Schriften ( z . B . xcepi utjjouç ) bei sich " 1 . Dazu gehörten der früh verstorbene A . Walz , ferner E . Mayser , der Verfasser der Grammatik der griechischen Papyri , und vor Allem W . Schmid , der später mit dem Lehramte Rohde's in Tübingen betraut wurde . Ihm gegenüber ward der Lehrer bald zum theilnehmenden und nicht nur bei wissenschaftlichen Fragen berathenden Freunde ; die Verbindung philologischer und sikalischer Interessen üösste Rohde auch bei ihm eine ganz persönliche Sympathie ein3 .
1 W . Schmid a . O . S . 109 . S . auch den Anh . zu S . 105 .
2 In diesem Sinne hat er sich über seinen alten Schüler gegen Freunde , wie Ribbeck und Rühl geäussert . Sehr charakteristisch heisst es in einem Briefe an Schmid [ 15 X 93 ] : »Neulich las ich Ihr Lob als Begleiter zu den Liedern des Hugo Wolf in der Zeitung ( da ich , wohl bis an mein seliges Ende , das Abonnement der Tübinger Kronich hinter mir schleppe ) . Und Sie Glücksmensch , der so etwas kann , Sie wollen sich über irgend etwas beschweren ? Aber Sie thun das auch wohl gar nicht mehr , als zur innernMotion nöthig ist . Dass ich nichts eigentlich kann , ist immer ein wesentlicher Grund meiner Selbstgeringschätzung ( auf der zuletzt alles Nichtgliicksgefühl beruht ) gewesen ; Sie sind ja darin viel besser daran . « Man sieht , wie hoch Rohde jedes Stück Künstlerthum
eingeschätzt hat . — So hat er in seinen Schülern stets vor Allem die Menschen gesucht und gepflegt ; in dem Absorbiren der jugendlichen Per -