Full text: Untersuchungen zur Filmdramaturgie des Dritten Reiches

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Als vorbildlich den deutschen Produktionen gegenüber wur 
den "eine soldatische Pflichtbestimmung des Lebens auch im 
-i 
Frieden" betrachtet, die man in dem amerikanischen Kolonial 
film "Bengali" (1935) und. dem französischen "Marie Chapdeleine" 
verwirklicht sah, "in denen der Begriff des Seiches [...] und 
der Begriff des Volkstums [...] verlebendigt wurde." Von 
deutschen Regisseuren war Gleichartiges offenbar nicht zu 
erwarten. 
"Die 'alten Filmhasen 1 zu wandeln, ist unmöglich; wobei 
zu sagen ist, da£ es deren in sehr jungem Alter gibt. 
Wenn auch die berufsständische Zucht und Ordnung zumin 
dest in der Geschäftsgebarung und in der äußeren Form 
des Filmschaffens in großartiger Form Wandel geschaffen 
hat, innerlich gibt es noch gar manche weiße Juden, 
Gschaftlhuber mit viel Rührseligkeit, aber ohne Herz, 
viel Routine ohne Können, Rückgratlosigkeit ohne An 
passung, Miesmacherei ohne Ernsthaftigkeit, maßlose 
Selbstüberhebung ohne eine Spur persönlicher Substanz. 
Abseits hiervon stehen die innerlich Jungen (von denen 
einige schon ein ansehnliches Alter erreicht haben), die 
wirklich von der Mission des deutschen Films besessen 
sind. Sie und diejenigen, die aus den Formationen der 
Bewegung langsam in die Sphäre des Filmschaffens hinein 
wachsen, werden ihm ein neues Gesicht geben. Erst dann 
wird auch die so problematische Stofffrage und werden 
daneben die anderen, noch unerfüllten Aufgaben wirklich 
endgültig gelöst sein."3 
Der NS-Staat, der um des politischen Prestiges willen^das 
ihm künstlerische Produkte einzubringen vermochten, den Dog 
matismus seiner Rassenlehre einem politischen Pragmatismus 
gern zu opfern bereit war, bis die entsprechenden NS-Künstler 
herangewachsen sein würden, verfuhr dabei nach Görings Wort: 
"Es ist immer noch leichter, aus einem großen Künstler 
mit der Zeit eine anständigen Nationalsozialisten zu ma 
chen als aus einem kleinen Pg. einen großen Künstler."^ 1 2 3 4 
1 R. Bie, Emil Jannings, S. 67. 
2 Ders. ebd., S. 19. 
3 F. Hippier, "Der Deutsche Film", 4. Oktober 1940, zitiert 
bei: R. Oertel, Filmspiegel, S. 2^8 f. 
4 Zit. nach: H. Brenner, Die Kunstpolitik des National 
sozialismus, S. 42.
	        
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