Object: Erwin Rohde

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Reise nach Leipzig . 
collegen , blieb unklar und sollte in mündlicher Verhandlung nachträglich ins Gleiche gebracht werden . Ganz geheuer war es Rohde dabei nicht zu Muthe ; der nach dei - Entscheidung schriebene erste Brief klingt gedämpft genug [ R . 13 XII 85 ] : »Also fertig wäre es nun , lieber Freund , ich komme zu Ostern und dann möge nur das Geschick Alles günstig gestalten . Dass ich jetzt noci ) , nach vollbrachtem Entschluss , eine wisse Bänglichkeit vor der Zukunft spüre , auch nun erst recht merke , wie ich doch mit tieferen Wurzeln , als ich dachte , mit dem Boden dieses Dorfidylls verwachsen bin , werden Sie greifen . Ich habe eigentlich sehr günstige Zeiten hier gehabt , viel Anhänglichkeiten bei den Studenten , Gunst und lichkeit beim Ministerium [ Gessler ] ; Vieles , was mir dieses halbe Landleben lieb machte und gerade m einem Naturell entsprach , werde ich nirgend wiederrinden . Aber ich hoffe , dass diese leise Wehmuth bei dem Abscheiden aus diesem Stillleben auch sanft verwehen wird : bis ans Lebensende wäre mir diese Existenz doch nur dann befriedigend gewesen — dann allerdings völlig ! - — , wenn ich hier daheim wäre ; aber heimisch wird eben ein 'Fremder' nie und niemals unter diesem seltsamen Volk . Xun also àyaD - rj ~'jyr¡ in den breiteren Strom hinein ! Es wäre eine Art Feigheit gewesen , wenn ich nicht schliesslich mich doch für Leipzig entschieden hätte« . 
Kurz vor Weibnachten fuhr Rohde auf ein paar Tage nach Leipzig . Eine Wohnung wurde bald gefunden , bequem und wenigstens nach einer Seite frei gelegen , aber mitten im Buchhändlerviertel . Ueber die Arbeitstheilung kam man noch nicht ins Reine . »Meine Rückreise ist ohne Fährlichkeit laufen , das Fest glücklich gefeiert ; ich fange wieder an zu beiten , vielleicht für längere Zeit zum letzten Mal recht für mich und nicht für Colleg und Gott weiss was für Dinge sonst . Die freie und reine Luft unsres Dorfes , das heute im hellsten Frosttagsglanze strahlt ( wie man ihn in Leipzig nicht einmal im Traum zu sehn bekommt ) athme ich lich mit Andacht und Welmiuth ein ; überhaupt wird mir oft fast bange , wenn ich an Leipzig denke : wer weiss wie mir's da glückt ? Bisher war mir ein akademischer struggle for Ufe erspart , da hier gar nicht ge - struggelt wird , sondern jeder ge -
	        
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