Full text: Erwin Rohde

Ansprache . Forschung und Lehre . 
147 
blieben solche Typen beharrlich , geringer Entwicklung fähig . Dieser Trieb wirkt sichtbar in griechischer Kunst und Poesie , und erzeugt dort den hohen Idealismus , den festen , individuelle Schrullen fernhaltenden Stil . Aber der gleiche Trieb nach Abschliessung und Abrundung rief in der Wissenschaft viel zu früh eine Systematik hervor , die aller ferneren wicklung lienimend in den Weg trat : so in den schen Secten , so auch in den ärztlichen , lichen , grammatischen Schulen . Ganz anders die moderne Wissenschaft ! Sie strebt unaufhörlich nach immer ferneren Zielen ; jedes Systematisiren gilt ihr nur als etwas sches , vorläufiges ; sie kennt keine Ruhe und heit im endgiltigen Abschluss . Und dieses niemals müde Weiterforschen übt denn auf den Universitäten auch seinen heilsamen Einfluss auf die Lehre , die sich mit und durch die Forschung selbst ewig erneuert , verjüngt und frisch erhält , und so auch dem Leben stets frische Bewegung zuführt . Dies ist der Geist unsrer deutsch en Hochschulen und ihr licher Kern zugleich ; hier erfüllt sich das Wort : 'wer immer strebend sich bemüht , den können wir erlösen' — nicht zwar vom Philisterium , wohl aber vom Philisterthum . Kein kret von oben hat diesen Geist den deutschen Universitäten gegeben : sie selbst haben ihn aus sich erzeugt , und Niemand wird ihn ihnen rauben können , s Kohde schloss dann mit dem Ausdruck des Wunsches , dass in diesem Geiste auch die Württembergische Hochschule »blühn und gedeihn und immer noch schöner sich entwickeln möge« 1 . 
Es ist so ziemlich die einzige Programmrede , die liohde in seinem Leben gehalten hat ; es bedurfte einer lich gehobenen Stimmung , um solche Gedanken , die sich in seinen Vorlesungen kaum einmal von fern zeigten , ans Licht empor zu locken . Er muss doch die Empfindung gehabt haben , dass er im Kreise seiner schwäbischen Hörer , wie unter guten 
1 Nach dem angeführten Bericht und einer von Rohde nachträglich aus dem Gedächtnis hingeworfenen Skizze , die er Constantin Ritter auf dessen Wunsch zur Verfiigung stellte ; zur Deutung und Ergänzung tragen auch die ( S . 1461 ) erwähnten Aufzeichnungen über Universitätswesen niges bei . 
10 *
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.