Full text: Erwin Rohde

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Abschied . Uebersiedelung . 
Freunden , seinen tiefsten Ueberzeugimgen Ausdruck geben durfte , ohne die Gefahr , missverstanden zu werden . In dem scharfen Betonen des Weiterforschens , der selbständigen Arbeit , formulirt er , wie in einem wissenschaftlichen stament , nochmals eine Forderung , die er gerade in dieser Umgebung nicht so hatte durchsetzen können , wie er gewünscht hätte . Darüber hinaus zeigte er auch hier , wie man die , gegen alle Historie und Kritik standhaltende Ueberzeugung von der besondern Stellung der Antike mit einem offnen Sinn für die Eigenart unsrer Zeit verbinden kann . 
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Nach diesen Höhepunkten gab es , gerade in den letzten Wochen , doch mancherlei Verdriesslichkeiten . Zumal stimmten Kohde Quertreibereien bei den Vorverhandlungen wegen seines Nachfolgers , denen er als Berather beiwohnte ; auch auf den »neuen Cultusminister« ist er wenig gut zu chen . Dazu trug er schwer an der Würde und Bürde des Dekanats und hatte nun noch »von tausend kleinlichen schäften die Neige zu leeren« . So war es ihm eine Erlösung , als »der halbe Zustand« endlich vorbei war . Mit den besten Hoffnungen , aber doch mit einem leisen Misstrauen , das durch alle sanguinischen Selbstbeschwichtigungen hindurchklingt , trat er in den neuen Lebenskreis , in dem er »seine Laufbahn zu beschliessen« gedachte . 
Die ersten Monate brachten eine volle Ernüchterung . Zwar , unter den ihm nahe tretenden Collegen gab es Manche , von deren Umgang er sich Gewinn und Genuss versprach . Er rühmt Fr . Zarncke's »Lebendigkeit und Frische«1 ; mit A . Springer , seinem Nachbar , der damals schon ganz an's Haus gefesselt war , schienen sich wirklich persönliche hungen anzuspinnen . Aber »der Lärm , Buss - und kohlendunst« , in den er sich versetzt sah , reizte seine an die 
1 Im gleichen Sinne hat sich Rohde bei Zarncke's vorzeitigem Tode ausgesprochen . »Dass Zarncke todt ist , ist wahrhaft schade ! Er war . . . eine für Leipzig unentbehrliche Person , mit seiner Lebhaftigkeit und gänzlich Leipzigerisch gewordenen Lebensstimmung« [ Rü . 8 XI 91 ] ,
	        
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