Full text: Erwin Rohde

Annahme des Rufes . 
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tischer Rücksichten und Bedenken hineingefunden haben mag . AVenn die beiden Freunde sich damals noch nicht bcwusst wurden , dass nun wirklich »eine Kluft zwischen ihnen festigt war« , so trug die Schuld daran die Tliatsache , dass das Gespräch sich im Gegensatz zu alten Zeiten überhaupt nicht in die Tiefe wenden wollte . Schon der quälende Druck seiner »engen und unklaren Verhältnisse« und der Sorge um die nächste Zukunft liess bei li oh de keine freie Stimmung kommen . 
Endlich , »nach heftigem Hin - und Herschwanken« , griff Rohde zu . »Ich gehe« — schreibt er an Ribbeck — »schon zum Winter . . . Ich vertraue darauf , dass die Zeit nicht mehr fern ist , wo Sie mir zugeben , dass ich kaum anders wählen konnte , dass eine befriedigende Thätigkeit mir hier nicht erreichbar war und dass ich ohne eine solche hier nicht existiren konnte . . . Leicht ist mir , weiss Gott , der Entschluss nicht geworden , am meisten , wenn ich an Sie und ihre Frau dachte ; nun ist er gefasst und thut mir nur noch in Gedanken an Sie beide selber wehe . Lassen Sie mich an der Hoffnung festhalten , dass diese Angelegenheit . . . keine dauernde Verstimmung zwischen uns bringen werde ; ich hoffe immer Eines in Leipzig doch zurückzulassen , woran ich in Heidelberg oft mit Wehmuth zurück denken werde : Ihrer Beider freundschaftliche Gesinnung« [ R . 86 ] \ 
Rohde hatte später wohl gelegentlich noch Anwandlungen eines Zweifels , ob er Recht gethan habe , auf jenen weitern Wirkungskreis zu verzichten , zumal auch Volkelt bald in Leipzig heimisch wurde2 . Aber der Entschluss war sein Segen . Seine schwer gefährdete Lebenskraft hätte sich in Leipzig noch schneller verzehrt , und Stimmung und Musse zu einer Arbeit aus dem Vollen , wie sie ihm sein neuer sitz bald darbot , hätte er dort nicht so leicht gefunden . Immer - 
1 Das schien ihm damals das Einzige , was er zu bedauern habe , »dass wir Ribbeck und Wachsmuth verlieren« [ 0 . 27 YI 86 ] . 
2 In Heidelberger Briefen meint er , A . Springer »keinen Dank dig« zu sein dafür , dass er von ihm »in den Entschluss , nach Heidelberg zu gehn , hineingetrieben sei« , oder er nennt es eine Thorheit , »dass er sich hierher verheuert« habe , statt in dem »alten guten Leipzig« bessere Tage abzuwarten [ V . 30 XII 94 u . ö . ]
	        
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