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Collegiale Verhältnisse . Erkrankung 1887 .
lind recht . . . , andre Male denkt man doch , dass . . eine tere Arbeit eigentlich dem Menschen und Mann geziemte« [ O . 20 XII 86 ] .
In einem Regen - und Schlammwinter , ( »wo Heidelberg aussieht , wie wenn eine Dame mit Seidenschuhen im Schnee herumpatschte« ) , kamen zwar wieder rebellische Stimmungen , aber er hatte doch die Empfindung , »dass sich das Alles bald in's Gleiche und Gleichmüthige gesetzt haben werde«1 . Die Hauptsache war , dass er in den nächsten Collegen »charmante Leute« fand ; dazu erwies sich »der ganze Ton als frei und harmlos« ; nur die Tübinger Einfachheit im Lebenszuschnitt vermisse er . Die einst von Ribbeck mitbegründete sche Gesellschaft »wurde neu errichtet , mit acht Mitgliedern [ darunter vor Allem Schöll und Zangemeister ] , und man vertrug sich darin sehr gut« 2 . Als Höhepunkt blieb den Theil - nehmern der Sommer 1887 in Erinnerung , wo Rohde die rung hatte . Er sprach über seinen alten Liebling Pindar3 ; einmal , an einem Damenabend um Weihnachten , hieltereinen anmuthigen Y ortrag über die Daphnesage .
Dieser willkommenen neuen Beziehungen wurde Rohde freilich nicht recht froh . Noch Ostern 1887 hatte er mit stillem Behagen bei den Baseler Freunden zugebracht4 . Aber in den Sommermonaten setzte sein Leiden mit erhöhter Wucht
1 Vgl . Rü . 18 XI 86 . 0 . 20 XII 86 . R . 15 III 87 . »Andern gelingt offenbar leichter , was mir überall sehr sauer wird und langsam gelingt , mich einzugewöhnen , d . h . zuletzt doch immer , mich im erforderlichen Umfang zu resigniren ; in Neckartübingen war ich endlich soweit kommen — da muss ich Thor aufbrechen und Alles aufgeben ! — Ich hoffe aber , für mich und meine Frau und Kinder , stark auf das jahr und damit auf das eigentliche Heidelberg . Noch ist hier tiefer Winter , es schneit und schneit ununterbrochen , nicht der geringste penansatz zeigt sich , und so will auch unser Gärtchen , dem sich das Haus nach der Rückseite hin anlehnt , noch nichts bedeuten« [ R . 15 III 87 ] .
2 »Schätzenswerth ist namentlich Zangemeisters unermüdliche Nai - vetät und Unternehmungslust« [ R . 15 III 87 ] ,
3 Im Gegensatz zu seinen beiden Lehrern Ribbeck und Ritsehl ( s . Ribbeck , Brief 178 S . 275 ) hat Rohde seit seinen Studentenjahren sich zu »dem reichen Dichterherzen« des spröden Aristokraten hingezogen gefühlt . Einen Niederschlag seiner Heidelberger Studien bietet die Psyche II 209 - 222 .
* »Ich habe die angenehmste Erinnerung an ihr gelindes Leben in einer der anmuthigsten Ecken von Basel« [ 0 . 2 VII 87 ] .