Object: Erwin Rohde

154 
Collegiale Verhältnisse . Erkrankung 1887 . 
lind recht . . . , andre Male denkt man doch , dass . . eine tere Arbeit eigentlich dem Menschen und Mann geziemte« [ O . 20 XII 86 ] . 
In einem Regen - und Schlammwinter , ( »wo Heidelberg aussieht , wie wenn eine Dame mit Seidenschuhen im Schnee herumpatschte« ) , kamen zwar wieder rebellische Stimmungen , aber er hatte doch die Empfindung , »dass sich das Alles bald in's Gleiche und Gleichmüthige gesetzt haben werde«1 . Die Hauptsache war , dass er in den nächsten Collegen »charmante Leute« fand ; dazu erwies sich »der ganze Ton als frei und harmlos« ; nur die Tübinger Einfachheit im Lebenszuschnitt vermisse er . Die einst von Ribbeck mitbegründete sche Gesellschaft »wurde neu errichtet , mit acht Mitgliedern [ darunter vor Allem Schöll und Zangemeister ] , und man vertrug sich darin sehr gut« 2 . Als Höhepunkt blieb den Theil - nehmern der Sommer 1887 in Erinnerung , wo Rohde die rung hatte . Er sprach über seinen alten Liebling Pindar3 ; einmal , an einem Damenabend um Weihnachten , hieltereinen anmuthigen Y ortrag über die Daphnesage . 
Dieser willkommenen neuen Beziehungen wurde Rohde freilich nicht recht froh . Noch Ostern 1887 hatte er mit stillem Behagen bei den Baseler Freunden zugebracht4 . Aber in den Sommermonaten setzte sein Leiden mit erhöhter Wucht 
1 Vgl . Rü . 18 XI 86 . 0 . 20 XII 86 . R . 15 III 87 . »Andern gelingt offenbar leichter , was mir überall sehr sauer wird und langsam gelingt , mich einzugewöhnen , d . h . zuletzt doch immer , mich im erforderlichen Umfang zu resigniren ; in Neckartübingen war ich endlich soweit kommen — da muss ich Thor aufbrechen und Alles aufgeben ! — Ich hoffe aber , für mich und meine Frau und Kinder , stark auf das jahr und damit auf das eigentliche Heidelberg . Noch ist hier tiefer Winter , es schneit und schneit ununterbrochen , nicht der geringste penansatz zeigt sich , und so will auch unser Gärtchen , dem sich das Haus nach der Rückseite hin anlehnt , noch nichts bedeuten« [ R . 15 III 87 ] . 
2 »Schätzenswerth ist namentlich Zangemeisters unermüdliche Nai - vetät und Unternehmungslust« [ R . 15 III 87 ] , 
3 Im Gegensatz zu seinen beiden Lehrern Ribbeck und Ritsehl ( s . Ribbeck , Brief 178 S . 275 ) hat Rohde seit seinen Studentenjahren sich zu »dem reichen Dichterherzen« des spröden Aristokraten hingezogen gefühlt . Einen Niederschlag seiner Heidelberger Studien bietet die Psyche II 209 - 222 . 
* »Ich habe die angenehmste Erinnerung an ihr gelindes Leben in einer der anmuthigsten Ecken von Basel« [ 0 . 2 VII 87 ] .
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.