Full text: Erwin Rohde

Genesung . Reise in Oberitalien . 
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fictiver und beliebiger ist« [ R . 15 III 87 ] 1 . Ebensowenig fand ßobde Stimmung und Kraft , einige schon skizzirten untersuchungen auszuführen ; nur ein paar Nachschösslinge älterer Arbeiten traten ans Licht . Aber diese »Massigkeit in jedem Sinne« lohnte sich auch . Im Spätherbst 1887 konnte er mit bestem Erfolg »eine Erholungsreise nach Oberitalien , dem unerschöpflichen« unternehmen [ 0 . 22 II , Rü . 30 VI 88 ] , und in Briefen , die er um die Jahreswende schrieb , meldet er , dass er den bösen Eeind , sein Magenleiden , bezwungen zu haben und nun wieder resolut aus dem Vollen zu leben hoffe2 . Nun erst meinte er die schöne Welt , die ihn umgab , mit den eignen Augen zu sehn . Der Zauber der in Leipzig so schmerzlich vermissten süddeutschen Natur ; das thal , »dies Bild von unvergleichlicher Anmuth« , das ihm wie eine Steigerung seiner Tübinger Eindrücke erschien ; eine Wohnung , an einen Bergeshang gelehnt , »in fast ländlicher Umgebung< ; dazu die greifbare Nähe des Schwarzwaldes und der Schweiz und »so Manches was ein ermüdetes Herz erquicken kann « — das Alles wirkte zusammen um die letzten Regungen von Missgefühl zu verscheuchen . Auch seinen binger Freunden gestand er damals , dass er mit seinem sal wohl zufrieden sein könne . 
Mit dem heimlichen Wohlgefühl des Genesenden , der zugleich noch ein Anrecht hat , sich zu schonen , kamen im Sommer 1888 lang vermisste Stimmungen geistigen Behagens und Geniessens und brachten die innere Stille und Wärme , wie sie Rohde für seine Schriftstellerarbeit nöthig hatte . Als »neu eingefangener Goethevereinler« trieb er , wie in alten Zeiten , allerlei litterarische Allotria . Besonders an den liebsten Briefen der Erau Aja« ( die damals erschienen ) hatte 
1 »So wird mir eigentlich meine Arbeit nun zu einem steten wurf und . zu einem Hemmnis im frohen Ergreifen des Moments , da sie mich immer an das mahnt , was ich eigentlich thun sollte . Hoffentlich ist das Alles nur der Zustand des Kreissenden . . . « [ V . 18 XII 87 ] . 
2 Er sei seinem Magenschmerz lediglich mit strengster Diät zu Leibe gegangen . »Ich habe doch wenigstens erlebt , dass auch Er nicht lich ist ( wiewohl leider zur Auferstthung nach dem Tode geneigt ) und bin darum weniger verzweifelt wie im Sommer« [ 0 . 22 II 88 , ähnlich R . 18 I 88 ] . 
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