Full text: Erwin Rohde

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Das Vaterhaus . 
silbernen Hochzeit im Beginn von Rolide's Universitätsjahren wurde er den Seinen entrissen , etwa im gleichen Alter , wie später der Sohn ; auch Er hatte in rastloser Arbeit seine gesunde Kraft übernommen . Die Grossmutter Rolide's erlebte noch ihi •es Enkels ersten Erfolge ; sie ist im Herbst 1872 , im 82 . Lebensjahre , »sanft eingeschlafen« [ N . 27 IX 72 ] . 
Rohde's Mutter , „ eine stille , blonde Frau " , gehörte der in Holstein und Hamburg altansässigen Familie schleiden an ; ein Verwandter von ihr war der Physiologe M . J . den , der bis 1862 Universitätsprofessor in Jena war , sowie der , aus den Schleswig - Holsteinschen Wirren bekannte , später als Freiconservativer im deutschen Reichstag thätige Politiker Rudolf Schleiden . Gegen die gemessene Art der Mutter hat sich der temperamentvolle Knabe zeitweilig wohl angestemmt . In reiferen Jahren , zumal nach dem Tode des Vaters , war der Gegensatz ausgeglichen und Rolule liess sich in den Ferien von der »ihn viel zu sehr liebenden guten Mutter geduldig erziehen und saginiren« , machte sie zur Vertrauten seiner Freundschaften und Feindschaften ( in den frühsten Briefen an Nietzsche fehlt selten ein Gruss von ihr an den Freund und seine Angehörigen ) und dirigirte ( von Italien aus ) die »fürstlichen Einkünfte« aus seinen Erstlingsarbeiten an ihre Adresse . Zu ihrem praktischen Blick und Geschäftssinn besass er unbedingtes Vertrauen . Als schönstes Erbtheil von ihrer Seite galt ihm sein inniger Musiksinn , der sich schon in den Knabenjahren regte , während »die Mutter allerlei der sang , die ihn seitdem nie wieder losliessen . « Sie starb 1882 , siebenzig Jahr alt . 
Nach beiden Seiten sind es lebensvolle , kernige Menschen , von denen Rohde abstammt , mit entschiedenem Hang und Talent zu geistiger Bildung und Arbeit ; nur wandte sich dies 
ausdrücklich dazu fabricierten Urphilologen« , der »ganz voll von der Wichtigkeit einer Conjectur , die ys statt - / . ai setzt , überzeugt ist« und sich bestenfalls »am schaalen Trunk schulmeisterlicher Begeisterungsphrasen« , etwa aus »den akademischen Pauken von E . Curtius« inspmren lässt [ N . ] — diese Abneigung ist bei Rohde wohl immer lebendig geblieben . Er hat das Handwerk in seiner Wissenschaft als Meister geübt und schätzt , aber nie überschätzt ; das blosse »verdienstlose savoir faire " konnte er nicht leiden .
	        
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