Object: Erwin Rohde

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Engelberg . Politische Interessen . 
und H . VüCHTiNG ) rühmen seine Mittheilsamkeit und prächtige Laune . In den Briefen klingt oft ein ganz jugendlicher , man möchte sagen studentischer Ton an1 . Er fand wieder An - lass , aus seiner stillen Welt geistig hinauszutreten , und nahm auch an den politischen Ereignissen , die dem Tode des alten Kaisers folgten , den lebhaftesten Antheil , aus jener festen , bismarckisch - conservativen Gesinnung heraus , die wir als die Frucht seiner Tübinger Lehrjahre kennen gelernt haben * . Yon seiner Schriftstellerei spricht er nun in den Briefen mit tiefer Befriedigung ; »Ich wollte Ihnen Zeit und Musse zu solcher grossen Arbeit wünschen , es ist doch eigentlich das Beste an unsrer Art von Existenz ; kleinere Arbeiten splittern und kitzeln Einen nur , statt ernstlich wohlzuthun« [ Rü . 30 VI 88 ] . 
Robde hatte jetzt einen redlichen Frieden mit den neuen Verhältnissen geschlossen . Ein greifbarer Ausdruck dafür ist es , dass er ( 1888 ) den Plan fasste , dem Beispiel seiner sten zu folgen und »Grundbesitzer« zu werden . »Nun steht mir nächstens ein Umzug und seine Freuden bevor . Ich habe 
1 So schrieb er z . B . damals an Ribbeck , er meine sein Magenleiden losgeworden zu sein , »weniger durch das Verdienst verschiedener ser , als einfach durch den 'Zahn der Zeit' , der ja 'in alle Wunden seinen Balsam träufelt'« . Das ist jener harmlose , an den berühmten Sohn naus erinnernde Unsinn , an dem auch A . v . Gutschmid immer seine liche Freude hatte — vielleicht eine Tübinger Reminiscenz . 
2 Er äussert z . B . in sehr scharfen Ausdrücken die Meinung , die Kaiserin Friedrich mit ihrem Anhang von englischen und deutschen In - 
triguanten ( von Herrn von S an , durch Herrn Eugen Richter 
herunter zu dem Charlatan Mackenzie ) würde , um uns Bismarck zu zen , sich den 'Freisinnigen' verschrieben haben , »d . h . den Jesuiten , deren Knechte jene sind , um nur irgend etwas zu sein ; und dann wäre im men der 'Freiheit' Deutschland zersprengt und seinen Feinden wehrlos überliefert worden« . Er glaube nicht , dass Kaiser Friedrich bei allem guten Willen mehr als ein zweiter Fr . W . IV . geworden wäre . »Ein zweites Olmütz , das wäre vielleicht der Ertrag seiner 'freisinnigen' tik gewesen . Aber Sie werden vermuthlich alle diese Dinge umgekehrt beurtheilen . Ich bin nicht einmal Dilettant der Politik , sondern Odient ; aber in solchen Zeiten rückt einem das Teufelszeugs zu dicht auf die patriotische Empfindung . Es mag übrigens gut sein , dass andre rade entgegengesetzt empfinden , sonst wäre allerdings die Gefahr eines Versumpfens des guten deutschen Philisteriums in englischer ligkeit vorhanden ; nun , davor bewahrt uns in der That der Freisinn ! « [ Rü . 30 VI 88 ] ,
	        
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