172 Ferienreisen . Leetüre . Ribbeck's Römische Dichtung .
freundliche Erinnerung zurück — in dieser Welt fühlte er sich fremd [ R . O . 27 X 90 ] .
Mit ruhigerem Behagen , als die Jahre vorher , Hess Rohde inzwischen neue litterarische Erscheinungen auf sich wirken , vor allem »Manches , was von " Westen zu uns herüberkam« ; gerade die Anfangskapitel des zweiten Bauds tragen Spuren solcher , über die unmittelbare Aufgabe hinausschweifenden Lektüre . Auch die damals erscheinenden Schlussbände von Ribbecks 'Geschichte der römischen Dichtung' trafen bei Rohde empfänglichere Stimmung , als ihr Vorgänger . In einer Zeit , die Virgil , wie Cicero , geradezu wegwerfend behandelt und zu der kaiserlichen Litteratur kaum noch ein inneres hältnis hat , bewundert Rohde mit dem Freunde in Virgils Schöpfungen »die heitre Majestät dieses zu seiner Reife und Sättigung gelangten Römerthums < 1 und findet auch die spätere römische Poesie »nicht nur als Nachklang griechischer Kunst« bedeutsam . Man hat bei solchen Aeusserungen Rohde's , die für die Elasticität und Weite seines ästhetischen Empfindens bezeichnend sind , gelegentlich den Eindruck , als ob er mit einer wahren Lust gegen den Strom schwimme . Er konnte
1 »Die kaiserliche Litteratur ist doch erst die eigentlich beachtens - werthe . Wenn schon eine ganz künstliche Litteratur sein soll , so auch eine völlig reife und freie Kunst . . . Ich habe Vieles aus dieser stellung oder ( wie Sie es sehr geschickt eingerichtet haben ) stellung des goldenen Zeitalters mit wahrem Vergnügen gelesen ; die Palme gebe ich Ihrer Behandlung des Virgil , in der die 'heitre Majestät' dieses zu seiner Reife und Sättigung und noch nicht Uebersättigung langten Römerthums ausgezeichnet klar und anmuthend hervortritt« [ R . 27 XII 89 ] . Oft'enbar hat K . von Virgil doch eine andre Vorstellung gehabt , als seine neusten Kritiker . Ein paar Jahr später heisst es : » Gar nichts von Kranksein und Krankheitsgefühl merkt man ja an Ihrem ten Bande . . . Endlich einmal eine wirkliche Darstellung jener doch vielfach feinen und nicht nur als Nachklang griechischer Kunst santen Reihe von Poeten und bewegter Poesie . Sie müssen fast das fühl des Entdeckers auf jungfräulichem Boden gehabt haben : denn was war wohl von dem wirklichen Wesen dieser ganzen Cultur - und ecke bisher gesagt worden , was wirklich deren Kern und Sinn berührt hätte ! Statius behandeln Sie mir aber doch zu gut , und Persius zu schlecht : ich habe für die Reinheit und die ächte , tiefinnerliche Gehobenheit des Mannes wie der ganzen römisch - kaiserlichen Stoikersippe ( so fatal mir , mit wenigen Ausnahmen , die griechischen Stoiker sind ) immer Sj'mpathie gehabt . Nur freilich in Verse musste man das nicht bringen wollen« [ R . 26 X 92 ] ,