Rückgang der humanistischen Studien .
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es sich erlauben 'unzeitgemäss' zu sein , denn vom modernen Wesen und Unwesen — innerhalb und ausserhalb der lologie — kannte Er genug 1 . Und so vorurteilsfrei und frisch er immer wieder allem Neuen gegenübertrat : die ganze mung dieses Jahrzehnts , zumal seit der Entlassung Bismarck's , die Proletarisirung der Bildung und des Staates , die hende »schwarze Gefahr« und vor Allem die hereinbrechende »Banausokratie« auf allen Gebieten , lastete schwer auf ihm . Von der Arbeit des Philologen dachte Ii . bescheiden genug : seine Ueberzeugungen von der erzieherischen Kraft der Antike und des Ideals , das Goethe vertrat , waren die alten geblieben . In diesem Sinne galt ihm der äussere Rückgang der schen Studien als ein drohendes Zeichen2 ; gegen das gen unangemessen vorgebildeter Elemente in die Universität hat er sich immer — besonders als Dekan 1892 — lich gewehrt . Es kamen trübe Stunden , wo ihm solche Sorgen die Freude an seinem Beruf , ja »das rechte Lebensgefühl« zu beeinträchtigen drohten3 . Dabei waren ihm im höchsten Grade
1 In diesem Zusammenhange sei an die ebenso unzeitgemässen Aeus - serungen Nietzsche's über Horaz'Oden erinnert : »Bis heute habe ich an keinem Dichter dasselbe artistische Entzücken gehabt , das mir von fang an eine Horazische Ode gab« ( Werke VIII 167 ) . Rohde hat in bingen Horaz' Oden wiederholt und mit Vorliebe behandelt .
' * »Aber so geht es überall in dieser jämmerlich plebejischen Welt , zu der uns ein feindliches Schicksal aufgespart hat . Das Alterthum wird nächstens nichts mehr gelten , und wir alle sind ja im Grunde schon zum alten Eisen geworfen , sollen es nicht erst werden . Was sollen wir auch in dieser Gesellschaft , in der eine Bande von seichten Schwätzern , wie diese Socialdemokraten , in aller Gemüthlichkeit einen Weltzustand vorbereiten können , für den der Fabrikarbeiter das Idealmass abgiebt ! In Wahrheit ist ja der 'freisinnige' Philister von dem Standpunkt des Fabrikarbeiters . . . nicht mehr als einen kleinen Schritt entfernt ; es wird ihm ganz wohl sein in dem Idealstaat der Bestialität . Man sollte uns pensioniren und resolut die Humaniora abschatten« [ Rü . 26 VIII 91 ] . In der Behandlung , wie sie unter dem neuen Kurs in Preu'ssen den versitäten gegenüber beliebt ward , erkannte Rohde denselben Geist ; seine brieflichen Aeusserungen ( besonders an Ribbeck und Rühl ) erinnern oft selbst im Ausdruck an die bittern Worte , die vor kurzem der Senior der Strassburger philosophischen Facultät , Ad . Michaelis , gesprochen hat .
3 »Ich vollends komme mir vor , wie ein misslungener Patriarch , der am besten thäte , seine Schafe und sonstige Habe nun nächstens zu zählen und dann das Zeitliche zu segnen . . . Ich besinne mich nicht gern darauf , aber plötzlich überfällt's Einen , dass man , nun wo man alt wird , eigentlich immer überflüssiger wird , retro crescit tamquam coda vituli , wo