180 Religionsstifter im Alterthum . Charakter der 'Psyche' .
keit und Nothwendigkeit . Im Gegensatz zu der in der alten Religionsgeschichte eben herrschenden Mode wollte er , wie er brieflich einmal nachdrücklich darlegt , vor Allem den grossen Persönlichkeiten zu ihrem Rechte verhelfen 1 . »Diese Leute [ die Tragiker und Philosophen ] haben ja nicht nur ein 'Verhältnis' zur Volksreligion , sie machen selbst Religion ; ihre religiösen Werke und Thaten , soweit sie die Seelenreligion berühren ( und ich habe mich gehütet , über diese schweifen ) gehören auf's innigste zu meinem Thema . Es sind
— und ingleichen die Orphica , die Versuche der xocfraptai u . s . w .
— Ansätze zu einer , aus der Volksreligion herauszubildenden — wie soll man sagen , retlectirten , systematisirten Religion , die aber nicht ( wie in Persien , Indien , bei den Juden etc . ) zu einer voll ausgebildeten secundaren Religionsweise ( Sie verstehen , was ich mit diesem nicht ganz geeigneten Ausdruck meine ) geführt hat . . . . Mit der Volksreligion ist es eben in Griechenland nicht gethai ! . . . Vollends Plato — erst in ihm offenbart sich Ziel und Sinn und Wucht des mus vorangehender Zeiten ; ich bin mir bewusst , zum ersten Mal seine Seelenlehre ( soweit sie mich angeht : seine ganze Psychologie aufzurollen , ist mir nicht im Traume beigekommen ) in ihren wahren Zusammenhang gestellt , sie gezeigt zu haben als Krone eines längst begonnenen Gebäudes ; zugleich die mächtige centrale Stellung und Wirkung des platonischen Seelenglaubens für die Folge wenigstens abgeschattet zu haben ; natürlich aber Hess ich den Neoplatonismus , der für mein Gebiet nichts Neues mehr bringt . . . mit zwei Seiten abge - than sein und liess vollends das Christenthum . . . ausserhalb meiner Betrachtung [ Cr . 9 JX 94 ] 2 .
W 'ir müssen darauf verzichten , dem vielverschlungenen Gange des Werkes im Einzelnen zu folgen , so schwer es lingen will , von seiner Eigenart und Bedeutung in einer kurzen Formel eine Vorstellung zu geben . Das Grosse an dem Buche
1 In den folgenden Sätzen ( aus einem Briefe an mich ) fixirt R . seinen Standpunkt so knapp und klar , dass sie , auch nach den abwehrenden Bemerkungen in der zweiten Auflage , vollständig mitgetheilt zu werden verdienen .
- Hier wurde dann der Faden in den nächsten Jahren von jüngeren Händen ( besonders von A . Dietekich ) weitergesponnen .