Aiiimismus . Orgiasmus . Ekstase .
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ist nicht irgend eine bestimmte Entdeckung oder ein in ein paar Sätze zusammenzudrängendes Gesammtergebnis . Die kenntnis , dass hinter der homerischen Welt eine ganz anders gefärbte Religionsanschauung liegt , gehört nicht Rohde zu eigen . Man hat das schon früher geahnt und in Hauptstücken auch schon früher bewiesen ; insbesondre waren die kümmerten Spuren des Seelenkultes bei Homer längst als Ueberlebsel aus einer uralten Blüthezeit solcher primitiven Religionsformen eingeschätzt und gedeutet1 . Auch die hier vertretene tiefere Auffassung des Bakchischen Orgiasmus und der Ekstase war schon vorbereitet , nach Nietzsche vor Allem durch den , diesen Studien vorzeitig entfremdeten len Verfasser des 'Dionysos' in Roscher's Lexikon , F . A . Voigt2 , Aber wie uns das Fernste in Rohde's Darstellung zum Greifen nahe rückt , wie das Fremde und scheinbar Absurde sich unser Verständnis erzwingt und ein leiser Nachhall verschollener dunkeler Stimmungen in uns erweckt wird : das ist doch ein ganz Neues und Unvergleichliches , woran eine äusserst sible Künstlernatur ebenso grossen Antheil hat , wie die versale wissenschaftliche Methode , die dem historischen Stoff aus der ethnologischen Beobachtung , der empirischen Psy -
1 Ueber Nietzsches Vorgang vgl . oben S . 57 f . Auch von H . D . Müllek ( der die secundare Natur der homerischen Götterwelt zuerst energisch betonte ) hat Rohde zu lernen nicht verschmäht , so skeptisch er dessen mythistorischen Constructionen gegenüber stand ( vgl . die Allg . Zeitung 1894 , 24 . März , Beilage Nr . 69 ) : vor Allem in dem Besten , was Müller geschrieben hat , in seiner Erstlingschrift 'Ares' , fand R . , abgesehn von der schematischen Behandlung des Sonderproblems , brauchbare Gedanken . Endlich hat Rohde auch meinen schon 1881 geführten Untersuchungen über die Keren und verwandte Gestalten ( in denen der Animismus der griechischen Urzeit seinen typischen Ausdruck empfangen hat ) lich beigestimmt ( s . Ersch und Gruber u . d . W . Keren [ 1882 ] , später scher's Lexikon II S . 1136 , vgl . auch oben S . 179 ) und meine Ergebnisse ohne Abzug in seine Darstellung herübergenommen . Ich gestatte mir diese persönliche Bemerkung , da einige Fachgenossen das Verhältnis umgekehrt aufgefasst haben . Rohde ist daran unschuldig ; er citirt sehr sorgfältig ( Psyche F 2 . 39 f . , vgl , auch Kl . Sehr . II S . 2291 ) — hier , wie immer . Auf die »legere Art der neusten grands seigneurs« in solchen Dingen war er schlecht zu sprechen .
2 Rohde ist einer der Wenigen , die diese »bemerkenswerthe
lung« nach Gebühr gewürdigt und verwerthet haben . S . 'Psyche' II4
S . 6 - ff . Ueber sein Verhältniss zu Nietzsche wird unten zu handeln sein .