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Das Stoy'sche Institut . Das Johanneum .
im Sommer 1852 dem STOYschen Institut in Jena übergeben ; er blieb dort bis 1859 , also bis zum 14 . Lebensjahr . Rohde war nicht gerade davon überzeugt , dass diese frühe , von ihm schmerzlich empfundene Verbannung aus dem elterlichen Hause eine nothwendige und zweckmässige Massregel gewesen sei . Er fand sich in der Knabenherde , in die er eingestellt wurde , nicht leicht zurecht1 und hatte keine sonderlich freundliche Erinnerung an diese sieben Jahre , in denen er sich , mit seinem erregbaren , anlehnungsbedürftigen Gemüth , ganz wesentlich auf sich selbst zurückgewiesen sah . Seinen Mangel an passungsfähigkeit und Aufgeschlossenheit , dessen er sich klar bewusst war , schrieb er ganz wesentlich auf's Conto dieses Exils , wo er gedrillt , aber nicht erzogen sei . Die STOYsche Erziehungskunst ist für seine Geistesrichtung jedesfalls nicht bestimmend gewesen — höchstens in dem Sinne bestimmend , dass sie ihm ( wie manche briefliche Aeusserungen zeigen ) ein stark ausgeprägtes Misstrauen gegen alle systematische und privilegirte Pädagogik eingeimpft haben mag .
Als heranwachsender Jüngling kehrte Rohde 1860 in die geliebte Heimath und in's Vaterhaus zurück , um auf dem Johanneum seine Vorbildung zu beenden .
Den vollen innern Anschluss an die Seinen winnen , gelang ihm nicht ohne weiteres ; es war inzwischen aus ibm eine verschlossene , auf sich gestellte Persönlichkeit geworden . Um so mächtiger wirkten auf ihn die Eindrücke , die er in der Schule empfing ; auch in seiner Erinnerung ben sie immer frisch , wie ein Stück Gegenwart . Das war wirkliches geistiges Leben , an dem er theilnehmen durfte und mit jedem Jahr erfolgreicher theilgenommen hat . Bestimmend war der freie und erwärmende Geist eines ganz wesentlich im Griechischen wurzelnden Humanismus . Männer , wie F . W . Ullrich , auch L . Herbst , später J . Classen , nicht nur Lehrer , sondern schaffensfreudige Gelehrte , wussten in den jungen Geistern die ersten Regungen künstlerischen Empfin -
1 Das zeigt u . A . auf der Rückseite des ersten Briefchens von seiner Hand , ein Brief des Direktors Stoy . eines der wenigen Schriftstücke aus und über Rohde's Jugendzeit , die mir vorgelegen haben .