Full text: Erwin Rohde

Letzte Aeusserung Nietzsche's . 
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letzten Manifesten Nietzsche's gesprochen , die durch Brandes und Andre veröffentlicht sind . An ßohde schrieb Nietzsche damals als — Dionysos und erhob ihn unter die Götter« . Wie mag es ßohde zu Muthe gewesen sein , als er in den letzten , halb wirren Worten , die ihm der Jugendgenosse vor seinem 'Untergang' zurief , den Kern seiner eignen Auffassung des antiken Unsterblichkeitsglaubens erkannte ! Denn der Myste sollte ja durch den Herrn der Seelen« Dionysos porgehoben , »vergottet« und damit erst der Unsterblichkeit theilhaftig werden1 . Wenn ßohde des Freundes in diesem Zusammenhang gedacht hätte , wäre er fast gezwungen wesen , »der Menge einen der scheusten Winkel seines zens zu öffnen« . Das gewann er nicht über sich2 . Und er that recht daran . Bei unsrer Aufgabe konnten diese nisse wahrlich nicht umgangen werden : aber sie gehören nicht in ein wissenschaftliches Buch , von dem nicht nur alles Polemische , sondern alles Persönliche , soweit es den streng gemessenen Stil der Darstellung stören könnte , mit bewusster Kunst fern gehalten ist . 
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ßohde hatte , auf sein Erstlingsbuch zurückblickend , die Empfindung , dass ihm doch auch an »Schreibekunst« noch Einiges zugewachsen sei . In der That giebt es Abschnitte in der Psyche , die zu dem Vollendetsten gehören , was man deutsch in wissenschaftlicher Prosa lesen kann3 . Mit dem 
1 Rohcle hat das Alles sehr schön entwickelt , aber problematisch bleibt die von ihm angenommene Alleinherrschaft des Dionysoskultes auf diesem Gebiete doch . Zur Aufhellung der Anfänge wird man noch ches Späteste heranziehn dürfen ; sehr merkwürdig ist jener àrca^ava - ua - ¡ióg in einem Zauberpapyrus ( Wessely , Denkschr . der Wiener Akademie XXXYI 1888 , S . 56 ) , in dem A . Dieterich eine Mithrasliturgie erkennt . 
- Merkwürdig ist es auf alle Fälle , wie nahe die Wege der beiden Freunde auch hier schliesslich zusammenliefen . Wenn Nietzsche seine sundheit wiedergewonnen hätte , wäre der innere Ausgleich gewiss nicht ausgeblieben . 
3 Man prüfe z . B . die Schilderung der homerischen Welt F S . 11 tí' . , die Charakteristik der Odyssee S . 82 ff . , die grandiose Betrachtung über den Gang der griechischen Kultur S . 111 ff . und vor Allem die Porträts der Dichter und Denker im zweiten Bande .
	        
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